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Angst vor Alkoholvergiftungen: Schnapsverbot am Rosenmontag

Angst vor Alkoholvergiftungen: Schnapsverbot am Rosenmontag

Die Rettungskräfte haben an Weiberfastnacht allein in Trier 20 betrunkene, teils bewusstlose Narren behandelt. Die Hälfte der Komatrinker sei minderjährig gewesen. Seit Jahren steigt die Zahl Jugendlicher aus der Region, die sich bis zur Besinnungslosigkeit betrinken.

(wie/red) Fastnacht und Alkohol, das gehört für viele Narren zusammen, auch für Jugendliche. Jugendschützer aus der Region haben deshalb schon vor den tollen Tagen Gespräche mit Fastnachtsveranstaltern geführt. Ein Ergebnis: Im Kreis Bernkastel-Wittlich haben sich Veranstalter verpflichtet, auf den Karnevalsumzügen keinen Alkohol an Jugendliche abzugeben. Und die Veranstalter des Trierer Rosenmontagsumzugs, zu dem 100.000 Zuschauer erwartet werden, haben allen Teilnehmern aufgetragen, keinen Schnaps an Minderjährige auszuschenken.

Das ist zwar ohnehin verboten, kam nach Angaben der Behörden jedoch in den vergangenen Jahren häufig vor. Nicht nur an den Karnevalstagen ist dies ein Problem. Zwar gehe der Alkoholkonsum unter Heranwachsenden zurück, sagt Stephan Rother, Jugendschützer des Kreises Bernkastel-Wittlich. Aber "wenn in Gruppen von Jugendlichen getrunken wird, dann wird extrem viel in kurzer Zeit getrunken".

Dies belegt die neueste verfügbare Landesstatistik: 1500 12- bis 19-Jährige kamen 2009 in Rheinland-Pfalz nach übermäßigem Alkoholgenuss in Krankenhäuser. In der Region waren es 248 Jugendliche, darunter 98 Mädchen. Damit ist die Gesamtzahl in der Region Trier um gut 80 Prozent gegenüber dem Jahr 2001 gestiegen.

Allein im Kreis Trier-Saarburg gab es 67 solcher Fälle, und im vergangenen Jahr nahmen die Ärzte im Trierer Mutterhaus erneut 53 Notfälle alkoholisierter Jugendlicher auf; sechs kamen auf die Intensivstation.

Als Grund für die Zunahme des exzessiven Trinkens nennt Bruno Willems, Jugendschützer des Kreises Vulkaneifel, dass die Jugendlichen heute über mehr Taschengeld für Bier oder andere Alkoholika verfügten. Schon ab knapp fünf Euro gibt es eine Flasche Wodka im Supermarkt; ab 4,80 Euro eine Kiste mit 20 Halbliterflaschen Bier. Das sind 48 Cent für einen Liter Bier. Die gleiche Menge Cola kostet oft mehr. "Schnaps müsste teurer sein und dürfte nicht rund um die Uhr angeboten werden", fordert Willems deshalb.