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Angst vor Rache im Gericht

Angst vor Rache im Gericht

Aus Angst vor gewalttätigen Auseinandersetzungen im Gerichtssaal wurde gestern der Prozess um versuchten Totschlag unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen fortgesetzt. Ein 61-Jähriger ist angeklagt, weil er den Freund seiner Tochter niedergestochen haben soll.

Trier. Wer gestern in den Saal 70 des Trierer Landgerichts wollte, musste Geduld haben. Besucher der Verhandlung um die angebliche Messerattacke eines aus dem Kosovo stammenden 61-Jährigen wurden wie auf dem Flughafen kontrolliert: Jacken ausziehen, Handys abgeben, durch eine Sicherheitsschleuse gehen. Wachleute tasteten die Besucher nach verdächtigen Gegenständen ab. Der Saal war durch eine mobile Sicherheitsglaswand abgetrennt. Vor dem Betreten des Verhandlungszimmers wurden die Personalien aller Besucher registriert. Die Sicherheitsvorkehrungen waren erst am Morgen durch die Vorsitzende Richterin des Schwurgerichts, Petra Schmitz, angeordnet worden. Es habe keine konkrete Drohung gegeben, sagte die Sprecherin des Landgerichts, Simone Konz. Mit den Sicherheitskontrollen solle nur vermieden werden, dass es im Gerichtssaal möglicherweise zu Auseinandersetzungen zwischen den Familien des Angeklagten und des Opfers, eines 22-Jährigen aus Bernkastel-Kues, kommt.

Eigentlich war für den Tag das Urteil gegen den 61-Jährigen vorgesehen. Er soll im Juli vergangenen Jahres den damals noch 21-Jährigen vor der Polizeiwache in Bernkastel-Kues niedergestochen haben (der TV berichtete). Er ist der Freund der 17-jährigen Tochter des Mannes. Sie war ohne das Wissen und das Einverständnis ihrer Eltern mit ihm mitgegangen, er selbst spricht von einer "völlig normalen" Entführung. Die Eltern wollten an dem Tag ihre Tochter davon überzeugen, wieder nach Hause zu kommen. Da kam es vor der Polizeiwache dann zu der Ausein-andersetzung mit dem Freund und dessen Vater. Es war also nicht auszuschließen, dass die Fehde auch im Gerichtssaal weiter ausgefochten wird. Unter den Besuchern an diesem Morgen war auch die Ehefrau des seit Juli in Untersuchungshaft sitzenden Mannes. Sie war dabei, als der Freund der Tochter niedergestochen wurde. Wahrscheinlich muss sie demnächst auch als Zeugin aussagen.

Angekündigtes Geständnis bleibt aus



Auch beim gestrigen Prozesstag schwieg der Mann zu den Vorwürfen. Dabei hatten seine Anwälte vor dem Prozess angekündigt, dass er ein Geständnis ablegen würde. Daher waren nur zwei Verhandlungstage angesetzt. Gestern sagte noch einmal das Opfer aus. Es hatte am ersten Prozesstag die Tat heruntergespielt, zeigte Verständnis für den Angeklagten. Ihm drohte ein Verfahren wegen Falschaussage, weil er kurz nach der Tat den Vater seiner Freundin noch belastet hatte. Der Anwalt des jungen Mannes beantragte, ihn noch einmal in den Zeugenstand zu rufen. Er habe nach der Tat Angst um seine Familie gehabt, sagte er nun aus. Der Bruder seiner Freundin habe nach dem Messerstich, der ihn in der Nierengegend erwischte, gedroht, seine Familie umzubringen, sagt der viel ruhiger, weniger nervös und fahrig wirkende 22-Jährige aus. Seine 17-jährige Freundin lebt noch immer in Bernkastel-Kues. Demnächst wird sie 18, dann will er sie heiraten, hat er vor Gericht angekündigt.

Zwei weitere Tage sind bereits für den Prozess festgelegt. Am 2. Februar wird er fortgesetzt.