AOK verliert Mitglieder

TRIER. Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) Rheinland-Pfalz verliert massiv Mitglieder. Innerhalb eines Jahres kündigten 644 Sozialversicherungspflichtige. Seit der Beitragserhöhung zu Jahresanfang steigt die Zahl der Kündiger weiter.

AOK-Chef Walter Bockemühl beschwichtigt. Dramatisch sei der Mitgliederrückgang nicht. Seit 1996 habe die Kasse insgesamt elf Prozent ihrer Mitglieder verloren. Doch die aktuellen Zahlen machen es deutlich: Immer mehr Versicherte kehren der Kasse den Rücken. Innerhalb eines Jahres waren es 644, allein im Februar verlor die AOK 1,8 Prozent ihrer rund 800 000 Mitglieder. Die Zahl der Kündiger werde sich noch erhöhen, glaubt Bockemühl. Grund: die drastische Beitragserhöhung zu Jahresanfang. Immer mehr AOK-Versicherte wechseln in billigere Kassen, wie etwa die IKK Südwest Direkt. Allein im Januar gingen bei der IKK nach eigenen Angaben 20 000 Mitgliedsanträge ein. Hintergrund war eine aggressive Werbung der IKK, in der Bezug genommen wurde auf die höheren Beiträge der AOK. Diese reagiert nun ihrerseits mit einer Werbekampagne. Darin wird vor allem auf niedrigere Kopfpauschale pro Versichertem verwiesen, die die IKK an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) zahlt. Während es bei der AOK pro Mitglied 476 Euro sind, sind es bei der IKK Südwest Direkt 291 Euro. In einer gemeinsamen Aktion mit der KV will die AOK die Versicherten davon überzeugen, dass jeder Wechsel zu einer Billig-Kasse die ärztliche Versorgung gefährdet, weil der Honorartopf kleiner werde. Die KV rechnet mit einem Millionenverlust durch Kassenwechsler. Bockemühl fordert, dass die IKK für alle Wechsler die Kopfpauschale der bisherigen Krankenkasse bezahlen müsse. Um dem Mitgliederschwund entgegenzuwirken, arbeitet die AOK derzeit bundesweit an günstigen Wahltarifen. Damit sollen vor allem Besserverdiener vom Wechsel abgehalten werden.

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