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Archiv: Das lange Warten geht weiter (Beitrag vom 3. Februar 2010)

Archiv: Das lange Warten geht weiter (Beitrag vom 3. Februar 2010)

Mehr als sieben Jahre nach dem Absturz eines Flugzeugs der luxemburgischen Fluggesellschaft Luxair sind die Ermittlungen zu dem Unglück abgeschlossen. Wann es zum Prozess kommt, ist aber noch offen.

Luxemburg. Seit mittlerweile über sieben Jahren warten die Angehörigen der Absturzopfer von Niederanven darauf, dass diejenigen, die möglicherweise für den Tod ihrer Verwandten verantwortlich sind, sich endlich vor Gericht verantworten müssen. Viele Hinterbliebene der 20 Opfer des Absturzes einer Luxair-Propellermaschine am 6. November 2002 glauben schon gar nicht mehr daran, dass die wirklichen Hintergründe des Unfalls jemals aufgeklärt werden. Die Maschine war auf dem Flug von Berlin nach Luxemburg beim Landeanflug abgestürzt.

Nun hat die luxemburgische Staatsanwaltschaft die Ermittlungen abgeschlossen. Doch wann der Prozess um die Flugkatastrophe stattfinden wird, steht noch nicht fest.

Seit Monaten werden luxemburgischen Ermittlungsbehörden mit Kritik überzogen, weil sie so lange gebraucht haben, um zu einem Abschluss zu kommen. Denn eigentlich standen schon ein Jahr nach dem Absturz die Ursachen für das Unglück fest: menschliches Versagen, technische Probleme und schlechte Ausbildung der Piloten. Der beim Absturz 27 Jahre alte Pilot, der das Unglück überlebt hat, galt zunächst als Hauptverantwortlicher. Er soll beim Landeanflug auf den Luxemburger Flughafen die Propeller der Fokker 50 auf Schubumkehr gestellt haben und damit das Flugzeug quasi manövrierunfähig gemacht haben. Die Maschine stürzte wenige Kilometer vor der Landebahn auf ein Feld im luxemburgischen Niederanven.

Doch bereits nach den ersten Ermittlungen kamen die luxemburgische Luftfahrtbehörde und die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss, dass der Pilot nicht allein schuld sei. Auch die Hersteller der Maschine, der niederländische Flugzeugbauer Fokker, und die damalige Führungsriege von Luxair seien verantwortlich.

Acht Namen stehen auf der Anklageliste



Die Fluggesellschaft reagierte auf die Vorwürfe. Der Pilot, drei Technikleiter und drei Direktoren, darunter der damalige Chef der Fluggesellschaft, Christian Heinzmann, wurden noch vor Abschluss der Ermittlungen entlassen.

Insgesamt stehen acht Namen auf der Anklageliste, neben den ehemaligen Luxair-Mitarbeitern auch der frühere Direktor der luxemburgischen Zivilluftbehörde. Ihnen wird fahrlässige Tötung in 20 Fällen vorgeworfen. Obwohl die Ermittlungen abgeschlossen sind, ist weiter unklar, ob sich alle acht auch tatsächlich vor Gericht verantworten müssen. Wer in dem Prozess irgendwann auf der Anklagebank sitzen wird, entscheidet das Gericht.

Die Staatsanwaltschaft weist die Schuld an den langen Ermittlungen von sich. Es seien Verzögerungstaktiken der Beschuldigten, die diese unnötig in die Länge gezogen hätten, sagte der luxemburgische Oberstaatsanwalt Robert Biever vor einigen Wochen. Vor allem der ehemalige Luxair-Generaldirektor Heinzmann hat zahlreiche Beschwerden und Gutachten eingereicht und damit das Verfahren verzögert. Auch unterschiedliche Auffassungen zwischen Staatsanwaltschaft und Gericht über die Frage, ob etwa auch Fokker-Verantwortliche angeklagt werden sollten, verlängerten die Ermittlungen. Nicht nur in Luxemburg erinnert das viele an die ebenso schleppend verlaufenden Ermittlungen in Frankreich nach dem Absturz des Überschallflugzeugs Concorde im Juli 2000 in Paris. Am Dienstag begann dort der Prozess.