Arztbesuch: Droht eine neue Praxisgebühr?

Arztbesuch: Droht eine neue Praxisgebühr?

Die rheinland-pfälzischen Ärzte wollen Patienten zur Kasse bitten, um die Zahl der Behandlungen zu reduzieren. Die Kassen sind skeptisch.

Seit 2013 ist der Besuch beim Arzt kostenlos - für Patienten. Bis dahin mussten gesetzlich Versicherte pro Quartal zehn Euro Praxisgebühr zahlen. Das Geld wurde von den Krankenkassen eingezogen und kam diesen zugute. 2012 beschloss der Bundestag, die Praxisgebühr abzuschaffen. Begründung: Das Ziel, die Zahl der Arztbesuche zu verringern, sei durch die Zuzahlung nicht erreicht worden.

Nun wird erneut darüber diskutiert, dass Patienten für den Arztbesuch zahlen sollen. Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz, Peter Heinz, hat den Vorschlag gemacht, Patienten sollten einen Teil, maximal zwei Prozent, des Arzthonorars selbst zahlen. Damit soll verhindert werden, dass Patienten unnötig zum Arzt gehen.

"Die unkontrollierte Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen, einschließlich in den Notaufnahmen der Krankenhäuser, stellt ein zunehmendes Problem dar", sagt Walter Gradel, Vorsitzender der Bezirksärztekammer Trier. Es seien aber nicht nur die Patienten, die die Ärzte "unkontrolliert" aufsuchten, sagt Gradel. Auch die Tatsache, dass viele Arbeitgeber Krankmeldungen bereits ab dem ersten Tag einer Krankheit verlangten, verursachten viele "unnötige Arztbesuche".

Die Krankenkassen sehen eine Arzt-Gebühr kritisch. Es bestehe die Gefahr, dass Patienten, "die dringend einer Behandlung bedürfen, den Arztbesuch wegen der Gebühr meiden oder zumindest herauszögern, was letztlich nicht nur für die Gesundheit des Einzelnen fatal ist, sondern auch die Behandlungskosten in die Höhe treibt", sagt Martin Schneider, Chef des rheinland-pfälzischen Erstzkassenverbandes.

Nach Erhebungen der Krankenkasse Barmer ließen sich Versicherte in Rheinland-Pfalz 2015 rund acht Mal pro Jahr von einem Arzt behandeln. Durchschnittliche Kosten: 515 Euro pro Versichertem.

Die Krankenkasse IKK Südwest begrüßt zwar die Idee, Versicherte für die Arzt-Kosten zu sensibilisieren. Allerdings trage eine Zuzahlung nicht dazu bei. "Beim Versicherten entsteht dann eher der Eindruck, dass er nicht erwünscht sei", sagt Lutz Hager, Geschäftsführer der Kasse.

Die rheinland-pfälzische Gesundheitsminiserin Sabine Bätzing-Lichtenthäler nennt die Selbstbeteilung "unsinnig und sozial ungerecht". Strafzahlungen für den Arztbesuch seien nicht akzeptabel. Mehr zum Thema

Hintergrund: „Bitte tief einatmen und dann zahlen”

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