Bauen und Wohnen Bau-Experten warnen vor Gesundheitsgefahr: Region Trier hat ein riesiges Asbest-Problem

Trier · Die Hälfte der Häuser in Trier und Umgebung sind mit Asbest belastet. Die Gewerkschaft IG Bau warnt vor den enormen Risiken, die das für Menschen der Region bedeutet.

Asbest Warnung: Eifel, Mosel, Hunsrück: So viele Häuser sind belastet
Foto: h_tl <h_tl@volksfreund.de>

Hier eine neue Fotovoltaikanlage, da eine neue Dämmung. Die Gewerkschaft IG Bau warnt angesichts der aktuellen Sanierungswelle vor den Gefahren, die davon ausgehen, dass fast die Hälfte der Häuser in der Region Trier mit Asbest belastet sind.

Asbest-Gefahr in Gebäuden in der Region Trier

„Von 1950 bis 1989 kamen Asbest-Baustoffe intensiv zum Einsatz. Es ist davon auszugehen, dass es in jedem Gebäude, das in dieser Zeit gebaut, modernisiert oder umgebaut wurde, Asbest gibt. Mal mehr, mal weniger“, sagt Ute Langenbahn von der Gewerkschaft IG BAU. Sie spricht von „Asbest-Fallen“ und nennt Zahlen: In den vier ‚Asbest-Jahrzehnten‘ seien allein in Trier rund 10.700 Wohnhäuser mit 32.400 Wohnungen neu gebaut worden. Das seien knapp 52 Prozent aller Wohngebäude der Stadt. Dazu kommen noch Gewerbegebäude, Garagen, Ställe und Scheunen. Nicht viel besser sieht es in den Landkreisen aus. Die „Situationsanalyse Asbest“, die die Gewerkschaft beim Pestel-Institut in Auftrag gegeben hatte, zeigt, dass in der Vulkaneifel 12.200 Häuser betroffen sind, im Eifelkreis Bitburg-Prüm 17.500, im Kreis Bernkastel-Wittlich 18.600 und im Kreis Trier-Saarburg 23.300 Häuser.

IG Bau warnt vor Gefahr durch Asbest - In Eifel, Moseltal und Hunsrück sind sehr viele Häuser belastet

Das Umweltbundesamt stuft Asbest als „eindeutig krebserregenden Stoff“ ein. Zwischen dem Einatmen der Fasern und dem Auftreten einer darauf zurückzuführenden Erkrankung können bis zu 30 Jahre vergehen.

„Wer in einem belasteten Haus wohnt, muss sich trotzdem erst einmal keine Sorgen machen. Erst bei Sanierungsarbeiten wird es kritisch“, sagt Langenbahn. Alles fange mit Baustaub und dem Einatmen der Fasern an. Bauarbeiter und Heimwerker hätten kaum eine Chance, diese Gefahr zu erkennen. Zum Komplett-Schutz gehöre eine FFP3-Atemschutzmaske. Ebenso ein Muss: Overall, Schutzbrille und Handschuhe.
„Altbauten in der Region Trier sind ein tonnenschweres Asbest-Lager“, sagt Langenbahn. Die gefährlichen Fasern lauern oft im Putz und sogar in Spachtelmassen und Fliesenklebern. Vor allem aber im Asbest-Zement. Daraus wurden Rohre, Fassadenverkleidungen und Dacheindeckungen gemacht. Eternit war typisch für den Westen, Baufanit für den Osten. Ein großes Problem sei Spritz-Asbest: „Hier sind die Asbestfasern schwächer gebunden. Sie können deshalb leichter freigesetzt werden. Vor allem Aufzugsschächte sowie Schächte mit Versorgungs- und Entsorgungsleitungen wurden früher intensiv mit Spritzasbest verkleidet“, erklärt Langenbahn.

IG Bau fordert ein Förderprogramm zur Asbest-Sanierung

Die IG BAU Saar-Trier spricht von einer neuen „Asbest-Gefahr“: „Wir stehen am Anfang von zwei Sanierungsjahrzehnten. Die energetische Gebäudesanierung wird enorm an Fahrt aufnehmen. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, wird auch die Region Trier ein Großteil der Altbauten ‚angefasst‘.“

Die Gewerkschaft fordert einen Schadstoff-Gebäudepass mit Gefahrenstufen für die Asbest-Belastung. „Jeder Bauarbeiter und jeder Heimwerker muss wissen, auf was er sich einlässt, wenn er Fliesen abschlägt, Wände einreißt oder Fassaden saniert.“ Sie plädiert außerdem für eine staatliche Sanierungsprämie. Dazu müsse der Bund ein KfW-Förderprogramm „Asbest-Sanierung“ schaffen. Damit ließe sich auch eine ordnungsgemäße Entsorgung sicherstellen.

In den vergangenen zehn Jahren seien 3.376 Versicherte der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) an den Folgen einer asbestbedingten Berufserkrankung gestorben.

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