Attacken im Gericht

TRIER. Vor dem Trierer Landgericht ist gestern der Prozess gegen zwei mutmaßliche Drogendealer fortgesetzt worden, besser gesagt: Er trat auf der Stelle. Erneut kam es nämlich zu scharfen gegenseitigen Attacken von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

Die beiden Verteidiger Norbert Hack (Eschweiler) und Elard Biskamp (Frankfurt) und die Trierer Staatsanwälte Horst Roos und Wolfgang Bohnen werden wohl in diesem Leben keine Freunde mehr. Mit abermals scharfzüngigen gegenseitigen Attacken begann auch der gestrige Verhandlungstag so, wie der vorhergehende geendet hatte - unversöhnlich. Zwar ist es normal, dass sich Ankläger und Verteidiger schon mal in die Haare bekommen. Doch derart scharf verbal geschossen wird in Trierer Prozesssälen eher selten. Grund der jüngsten Wortgefechte: ein Befangenheitsantrag gegen Staatsanwalt Wolfgang Bohnen. "Abgelehnt", meinte Vorsitzender Richter Armin Hardt zu Prozessbeginn, dafür gebe es keine rechtliche Grundlage. Und auch der Trierer Chef-Staatsanwalt Horst Roos sah in seiner von Hardt verlesenen Stellungnahme keinen Grund, Bohnen durch einen anderen Ankläger zu ersetzen. Im Gegenteil: Roos stärkte seinem Mitarbeiter noch einmal ausdrücklich den Rücken und konterte mit einer verbalen Retourkutsche. Einer der Verteidiger habe "in erschreckender Leichtfertigkeit" das Ansehen des Staatsanwalts "durch Mutmaßungen, unzutreffende Behauptungen und mehrfaches Vergreifen im Ausdruck" herabwürdigen wollen. Bohnen habe völlig korrekt gehandelt, die Manipulationsvorwürfe seien abwegig. An den Vorwürfen sei nichts dran, meinte der Leitende Oberstaatsanwalt abschließend, Bohnens Ersetzung durch einen anderen Staatsanwalt komme daher auch nicht infrage. Die verlesene Stellungnahme brachte die beiden Verteidiger erst richtig auf die Palme. "Ich bin nicht der Befehlsempfänger des Leitenden Oberstaatsanwalts und lasse mich von ihm auch nicht wie ein Schüler herumkommandieren", entgegnete Rechtsanwalt Norbert Hack. Die Angriffe von Roos machten ihn nicht bange, da müssten schon ganz andere Geschütze kommen, meinte der Jurist, bevor er die schon in der letzten Verhandlung erhobenen Vorwürfe noch einmal präzisierte. In die gleiche Kerbe schlug auch Hacks Kollege Elard Biskamp. Das war's denn auch schon fast. Zeugen wurden noch immer keine vernommen. Vielleicht beim nächsten Mal - am Mittwoch kommender Woche.