Auf der Bremse

Allen schlechten Noten bei Pisa und anderen wenig erbaulichen Schultests zum Trotz: Zwölf Jahre bis zum Abitur sind genug. Das beweisen nicht nur die Schulsysteme anderer Staaten, das zeigen auch die Erfahrungen im eigenen Land.

Sachsen und Thüringen, die seit Jahrzehnten dem frühen Abitur anhängen, fallen bei bundesweiten Vergleichsstudien jedenfalls nicht aus dem Rahmen. Lernerfolge hängen also nicht von der Dauer der Schulzeit ab. Genau hier gilt es anzusetzen. Die Umstellung auf Bildungsstandards, neue Unterrichtsformen, mehr individuelle Förderung und die Konzentration auf Kernkompetenzen bieten genügend Ansatzpunkte, den Weg zur Reifeprüfung neu zu definieren - und zu verkürzen. Wenn Ministerin Ahnen jetzt von ihrem strikten Nein zum achtjährigen Gymnasium ein Stück abrückt, versucht sie den eleganten Übergang, indem sie die Schulzeitverkürzung auf Ganztags-Gymnasien beschränkt. Auf Dauer wird diese formale Unterscheidung allerdings nicht tragen. Die Beispiele anderer Bundesländer zeigen, dass mit der Umstellung auf ein dichteres Lernprogramm jede Schule faktisch auf Ganztagsbetrieb mit Mittagstisch umstellen muss. Umso weniger ist Ahnens Vorgabe nachvollziehbar, bis 2010 nur 15 Ganztagsschulen zuzulassen. Da scheint die Bildungsministerin die Reformbremse eingebaut zu haben. Oder aber der Mut hat sie verlassen. j.winkler@volksfreund.de

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