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Auf die Union ist er nicht gut zu sprechen: Volker Wissing lobt die Ampelkoalition

Auf die Union ist er nicht gut zu sprechen: Volker Wissing lobt die Ampelkoalition

Als Kind flitzte Volker Wissing durch Kuhställe und für eine Kanne Öl durch das halbe Dorf. Das Leben des 46-Jährigen hat sich seither stark verändert. Seit Mai arbeitet er als Wirtschaftsminister im Land. In einer Ampelkoalition. Und es gibt Gründe, warum der FDP-Politiker das gut findet.

Der Regen prasselt an die Busscheibe, als ein Journalist Volker Wissing auf das Klima in der Ampelkoalition anspricht. "Besser, als wenn man aus dem Fenster schaut", antwortet der Wirtschaftsminister süffisant und guckt hinaus zu den grauen Wolken, die ihn auf seiner Sommerreise durch Rheinland-Pfalz begleiten. Spottfreie Tage liegen nicht hinter dem FDP-Politiker. Als Witz fasste es auch die Opposition im Landtag auf, als er den Start des rot-gelb-grünen Regierungsbündnisses in einem SWR-Interview als Traumstart bezeichnete. Die Opposition griff ihn an, wie er dieses Wort in den Mund nehmen könne. Das Verkaufsdesaster um den Hunsrück-Flughafen Hahn sei eher ein Alptraum gewesen. Doch Wissing meint es ernst. Mit einer Einschränkung: Den Hahn habe er in seiner Analyse ausdrücklich ausgeklammert.

Was er als "Traumstart" der ersten Wochen im neuen Minister-Amt gelobt habe, sei der faire und anständige Umgang zwischen den Partnern gewesen. Innerhalb einer Koalition, die nach wie vor umstritten ist im konservativ geprägten Teil der FDP. Wissing hat für das Bündnis gekämpft. Er sieht die FDP nicht mit der CDU verbandelt. Erst recht nicht, seit in einer Ehe mit der Union mehr Porzellan zu Bruch ging als geherzt wurde. Von 2009 bis 2013 war Wissing finanzpolitischer Sprecher der FDP im Bundestag. Schwarz und Gelb regierten. Doch von Anfang an habe die CDU in Hintergrundgesprächen gegen die FDP gehetzt, sich nicht an Absprachen gehalten, in Pressekonferenzen seien Beleidigungen wie "Gurkentruppe" und "Wildsau" gefallen. "Die Koalition mit der CDU war von Beginn an darauf angelegt, die FDP als Widersacher auszuschalten", sagt Wissing. Mit kümmerlichen 4,8 Prozent flog sie letztlich aus dem Bundestag. Wenn es einen Alptraum für Wissing gibt, dann sind es offenbar diese Jahre. Inzwischen ist die Landespolitik die Welt des Mannes mit den vielen Interessen.
Der Jurist arbeitete als Richter und Anwalt, ist verheiratet, hat eine Tochter und spricht fließend französisch. Aufgewachsen ist er in einem pfälzischen 500-Einwohner-Dorf. Von der Kindheit erzählt Wissing gerne. Wie er durch den Kuhstall flitzte. Oder wie er als Schüler durch den halben Ort laufen musste, um für die leere Zentralheizung in der Schule eine volle Ölkanne zu holen. Und wie seine Mutter ständig zwei Senioren in dem viel zu engen VW-Käfer mitnahm, alle zum nächsten Supermarkt fuhren und auf der Rücktour eingequetscht zwischen vollen Tüten saßen. Wissing lacht fröhlich, wenn er in den Erinnerungen schwelgt. Beobachter sagen, der Analytiker sei in der Öffentlichkeit lockerer, unbefangener geworden.

"Angstgegner" nannte er sich dagegen auf den Wahlplakaten. Das galt besonders Rot-Grün. Kritiker lästern, er setze deren Politik nun fort. Wissing entgegnet, er mache doch vieles anders. Beim A-1-Lückenschluss will er aufs Tempo drücken. Bei Wörth entsteht eine zweite Rheinbrücke. Wissing hat geholfen, eine Rheinland-Pfalz-Allianz für Existenzgründer ins Leben zu rufen. Und bei der jüngsten Agrarministerkonferenz stimmte er er als Einziger gegen eine verpflichtende Senkung der Milchmenge. Als Unbekannte ihm dafür eine Fuhre Mist vor die Landeszentrale karrten, hielt er in der Nähe des dampfenden Haufens eine Pressekonferenz. Vielleicht wollte Wissing zeigen, dass er auch mit rauem Klima umgehen kann.

Der TV stellt die neuen Minister der Landesregierung in lockerer Reihenfolge vor.