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Auf Motorrädern fährt das Risiko mit

Auf Motorrädern fährt das Risiko mit

Alle vier Minuten "kracht" es auf den Straßen in Rheinland-Pfalz. Die Zahl der Kollisionen ist laut Unfallbilanz im vergangenen Jahr auf 132 583 gestiegen. 192 Menschen sind dabei gestorben, weniger als je zuvor im Land.

Mainz. Hinter den nüchternen Zahlen einer Unfallstatistik verbergen sich zahlreiche tragische Einzelschicksale. Darauf weist Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) am Montag hin, als er die Fakten für 2011 präsentiert. Die besagen, dass die Zahl der Unfalltoten einen historischen Tiefstand erreicht hat. "Sehr erfreulich", befindet der Minister. Er sagt aber auch: "Jeder Tote und jeder Verletzte ist einer zu viel."
Wie sich die Zeiten geändert haben, zeigt ein Vergleich: 1971 starben 1241 und damit die meisten Menschen binnen eines Jahres auf den Straßen. 2011 waren es 192. Rheinland-Pfalz schneidet aktuell besser ab als im Bundesdurchschnitt, wo eine Zunahme der Verkehrstoten um 9,4 Prozent verzeichnet wird. Das ist umso bemerkenswerter, als das Land ein Flächen-, Transit- und Pendlerland ist. "Wir haben mit 18 000 Kilometern das dichteste Straßennetz aller Bundesländer", verdeutlicht Lewentz.
Die weitaus meisten Unfälle ereignen sich innerorts. Dort kam es im vergangenen Jahr zu 84 656 Zusammenstößen. Auf den Landstraßen waren es 39 403, auf den Autobahnen 8524.
Die Polizei orientiert sich bei ihren Bemühungen um mehr Verkehrssicherheit an zwei Messgrößen: den Hauptunfallursachen und den Risikogruppen. Zu schnelles Fahren war bei jedem vierten Unfall die Ursache. Danach folgen das Drängeln, das stark zugenommen hat (plus 10,26 Prozent), und das Missachten der Vorfahrt. Sind Alkohol und Drogen im Spiel, steigt die Gefahr von Todesfällen drastisch.
Zu den Risikogruppen zählen Kinder, junge Erwachsene und Senioren. "Hier sind wir alle gefragt, aufmerksamer zu sein und auf Gefahren hinzuweisen", betont der Minister. Bei den 18- bis 24-Jährigen sank zwar die Gesamtzahl der Unfälle, doch wurden 49 junge Leute getötet, das sind mehr als 25 Prozent aller Verstorbenen im Straßenverkehr.
Angesichts der bevorstehenden Saison richtet sich der Blick auf Motorradfahrer, die besonders gefährdet sind. 48 Biker starben 2011, rund 25 Prozent aller Getöteten - obwohl der Anteil der Motorräder an der Gesamtzahl der zugelassenen Fahrzeuge nur acht Prozent beträgt und nicht das ganze Jahr gefahren wird.
Die Polizei reagiert mit umfangreichen Präventionsangeboten vor Ort und im Internet. Verkehrsminister Lewentz weist etwa darauf hin, dass auf Strecken von der Eifel an die Mosel Polizisten auf Zweirädern Motorradfahrer anhalten und mit diesen Vergehen direkt besprechen. Zudem werde an Unfallschwerpunkten ein Unterfahrschutz an gefährlichen Leitplanken eingebaut.
Um das laut Lewentz "hohe Sicherheitsniveau im Land" zu halten, werden Prävention und Überwachung verstärkt. Als ein gelungenes Beispiel ihrer Arbeit wertet die Polizei die Kontrollen an der B 327 bei Morbach im Hunsrück. Dort habe es zielgerichtete Radarmessungen gegeben. Ergebnis: Die Zahl der Unfälle sei von 178 auf 147 gesunken, es habe 55 Prozent weniger Verletzte und einen Toten statt zuvor sechs gegeben.
Ein "Grundniveau" an "Blitzern" will die Polizei auch dort vorhalten, wo keine Unfallschwerpunkte sind. Dies sei generell erforderlich, um die Wachsamkeit zu erhöhen.