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Tiere: Auf Wunsch gibt’s Bellos Asche im Medaillon

Tiere : Auf Wunsch gibt’s Bellos Asche im Medaillon

Die Nachfrage nach Urnenbestattungen von Hunden und Katzen steigt. Auch in der Region wird jetzt ein Tierkrematorium gebaut.

Immer mehr Tierbesitzer lassen ihre toten Hunde, Katzen oder Kanarienvögel einäschern. Noch in diesem Jahr soll auch das erste Tierkrematorium in der Region Trier eröffnet werden. Geplant sei die Anlage im Hermeskeiler Gewerbegebiet, kündigte ein Sprecher des Investors Rosengarten-Tierbestattung im Gespräch mit unserer Zeitung an.

Das Unternehmen mit Hauptsitz im niedersächsischen Badbergen betreibt bislang zwei eigene Tierkrematorien und ist bundesweit auf Expansionskurs. Im Hermeskeiler Gewerbegebiet Grafenwald soll im Dezember das dritte Tierkrematorium des Familienbetriebs an den Start gehen.

Derartige Pläne hatte schon vor Jahren ein Eifeler Unternehmer; die bereits vorliegende immissionsschutzrechtliche Genehmigung für den Betrieb des Krematoriums haben die neuen Investoren übernommen. Deren Ziel sei es, das Filialnetz immer weiter auszubauen, dass Tierbesitzer nicht weiter als rund 100 Kilometer für eine Tierbestattung fahren müssten, sagt Rosengarten-Sprecher Emanuel Holle.

Bislang gibt es in der Region Trier nach Angaben von Ralf Schlapp nur wenige Tierbestatter. Der Schweicher ist seit acht Jahren in dem Gewerbe tätig, wegen der schwer zu kalkulierenden Einnahmen aber nur nebenberuflich, wie der Immobilienmakler einräumt. Doch auch Schlapp bestätigt die Angaben des Bundesverbands der Tierbestatter: Immer mehr Menschen lassen ihre Tiere nach deren Ableben einäschern. Der Branchenumsatz wird inzwischen allein in Deutschland auf 16 bis 20 Millionen Euro jährlich geschätzt. Tendenz steigend.

Vor allem Hunde- und Katzenbesitzer lassen nach Angaben des Schweicher Tierbestatters Schlapp ihre verendeten Vierbeiner ein­äschern. Er fährt schon seit Jahren in ein nahe Mannheim gelegenes Tierkrematorium. Laut Verband gibt es bundesweit 32 Anlagen.

Die Kosten für die Einäscherung sind abhängig vom Gewicht des Tieres, der Art der Kremierung, den zurückgelegten Kilometern und den Zusatzleistungen. „Durchschnittlich sind es etwa 400 Euro“, sagt Schlapp.

Je ausgefallener die Wünsche der hinterbliebenen Tierbesitzer, desto teurer wird’s: Für die Einzelkremierung eines 20 Kilogramm schweren Hundes verlangt Ralf Schlapp 225 Euro „mit Ascherückführung inklusive Urkunde“. Hinzu kommen die Überführungskosten zum Krematorium und womöglich Zusatzkosten für die Zustellung der Asche oder ein Video der Kremierung.

Die Firma Rosengarten bietet auch Medaillons in Pfotenform, Armbänder oder Schlüsselanhänger an, die mit Asche befüllt und einer Gravur verziert werden können. Daneben gibt es bei den verschiedenen Tierbestattern Urnen in allen Formen und Farben, Porzellanschilder mit eingearbeiteten Erinnerungsfotos des Vierbeiners oder einen dreidimensionalen Pfotenabdruck aus Gips.

„Man kann sich aus der Asche sogar einen Diamanten pressen lassen“, sagt Ralf Schlapp, dem die Tierliebe mancher Zeitgenossen bei einigen Wünschen dann doch zu weit geht, auch wenn er einschränkt: „Das ist mein Geschäft.“

Viele Besitzer nehmen die Urne mit den sterblichen Überresten des geliebten Tieres mit nach Hause, stellen sie ins Regal oder vergraben sie im Garten. Andere verstreuen die Asche lieber entlang des Wegs, den sie etwa mit dem Hund immer spazieren gegangen sind. Neben bundesweit 150 Tierfriedhöfen gibt es inzwischen – beispielsweise auf der Rheinhöhe zwischen Koblenz und Boppard – auch die ersten gemeinsamen Friedhöfe für Zwei- und Vierbeiner. Dort kann die Asche von Mensch und Tier jeweils in Urnen nebeneinander begraben werden.

Glaubt man den Berichten von Bestattern, sind mancherorts auch schon der verblichene Tierbesitzer und sein zuvor gestorbener Vierbeiner in ein und derselben Urne begraben worden, obwohl dies verboten ist.