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Aufgetauchte Briefe, hilflose Post

Aufgetauchte Briefe, hilflose Post

TRIER. Für Spannung ist gesorgt: Wenn heute die beiden wegen mehrfachen Postdiebstahls Angeklagten vor dem Trierer Landgericht stehen, dürfte es nicht nur um ihre Taten gehen, sondern auch um eine Mitverantwortung der Post.

Als Anfang November vergangenen Jahres Angler am Quinter Weiher mehrere Briefe im Wasser und am Ufer entdeckten, ahnten sie nicht, dass das der Anfang eines der größten Postdiebstähle in Deutschland war. Und während Polizei und Post noch rätselten, wie die zunächst nur wenigen aufgetauchten Briefe in den Fischteich gekommen waren, machten die Postdiebe munter weiter. Nachdem sie entdeckt hatten, dass es sich gerade in der Vorweihnachtszeit lohnt, Briefe und Päckchen nach Barem zu durchsuchen, zogen sie den Postklau in größerem Stil auf. "Gewerbsmäßiger Diebstahl von Briefinhalten" wirft die Trierer Staatsanwaltschaft den Angeklagten, einem 25-Jährigen aus Salmtal (Kreis Bernkastel-Wittlich), und einem 52-Jährigen aus Bonn unter anderem vor. Bis Dezember sollen sie insgesamt knapp 60 000 Postsendungen geplündert haben.Lange jedoch wollte man bei der Post von systematischem Diebstahl ganzer Container oder Touren nichts wissen. Beschwerden von Kunden aus Trier tat das Unternehmen als "Einzelfälle" ab. Erst als sich der Unmut vor allem aus dem Süden der Stadt häufte, räumte man ein, dass man bereits seit längerem ermittle. Bereits zu diesem Zeitpunkt, im Dezember, stand der 25-jährige Aushilfsfahrer einer Trierer Spedition im Visier der posteigenen Ermittler. Doch sie konnten ihm nichts nachweisen. Welches Ausmaß der Postklau bis dahin bereits angenommen hatte, ahnte man bei dem "Gelben Riesen" allerdings nicht. Die aufgetauchten Briefe aus Quint brachte man jedenfalls nicht mit dem Verschwinden von Post-Sendungen in Trier-Süd in Verbindung. Man versuchte die zunehmend verärgerten Postkunden zu beschwichtigen: Es gebe halt keine hundertprozentige Sicherheit, man könne nicht jeden Brief vom Absender bis zum Adressaten verfolgen, immerhin 95 Prozent der täglich 70 Millionen Sendungen erreichten ihr Ziel. Doch die Erklärungsversuche klangen hilflos. Zumal mit dem Auftauchen weiterer Briefe im Quinter Weiher und später in dem dahinter liegenden Wald klar wurde, dass es sich keinesfalls um Einzelfälle handeln konnte. Doch trotz intensiver Ermittlungen gelang es Polizei und Post nicht, den mutmaßlichen Täter zu überführen.

Clever und mit viel krimineller Energie

Erst eine Durchsuchung der Wohnung des 25-Jährigen im März bestätigte den Verdacht: Die Fahnder entdeckten Reste von Briefen und Päckchen, auch Schmuck und Bargeld fanden sich bei dem Mann. Sein Komplize und damaliger Lebensgefährte war zu dieser Zeit bereits abgetaucht. Kurze Zeit später wurde er als Obdachloser in Bonn festgenommen. Laut Staatsanwaltschaft hatte der 25-Jährige schnell ein Geständnis abgelegt. Er führte die Ermittler dorthin, wo die beiden Angeklagten Briefe und Pakete versenkt, verbuddelt oder verbrannt hatten. Zwar ist der Postdiebstahl des 25- und seines 52-jährigen Kumpels kein Einzelfall - täglich verschwinden Briefe -, doch in diesem Umfang dürfte er einmalig sein. Die beiden seien eben "sehr clever" und mit "krimineller Energie" vorgegangen, sucht man bei der Post nach Erklärungsversuchen. Erhard Zimmer, Anwalt des 25-Jährigen, glaubt aber: "Es wurde ihm von der Post und der Spedition leicht gemacht.