Aufsichtsdirektion in Trier: Ex-Chefin kritisiert eigene Abberufung - Neues Führungsduo in Amt eingeführt

Aufsichtsdirektion in Trier: Ex-Chefin kritisiert eigene Abberufung - Neues Führungsduo in Amt eingeführt

Der Mainzer Innenminister Roger Lewentz (SPD) hat am Montagabend die neue Führungsspitze der Mittelbehörde ADD offiziell inthronisiert und das Vorgängerduo verabschiedet. Der Wechsel hatte im Vorfeld nicht nur für positive Schlagzeilen gesorgt.

Dagmar Barzen ist bester Laune. Noch einmal schüttelt die ehemalige Hausherrin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion am Eingang zum Rokokosaal der eintreffenden Prominenz freudestrahlend die Hand. Es ist der letzte offizielle Auftritt der 52-Jährigen an ihrer alten Wirkungsstätte. Sie nutzt ihn auch für eine Abrechnung.

Dagmar Barzen stand fast fünf Jahre an der Spitze der ADD. Die langjährige enge Mitarbeiterin des ehemaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck war im Mai von Regierungschefin Malu Dreyer in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Zu den Gründen wurde in der Vergangenheit nichts gesagt. Gestern Abend holte ausgerechnet Barzen selbst dies nach: Es gab offenbar in der Landesregierung massive Zweifel an ihrer Führungskompetenz.
Politische Beamte wie die Präsidenten und Vize der Mittelbehörden können jederzeit in den einstweiligen Ruhestand geschickt werden. Sie fallen weich. So bekommt etwa Dagmar Barzen drei Jahre lang ein Ruhegehalt von monatlich 6550 Euro. Danach gibt es immerhin noch 35 bis 72 Prozent des letzten Gehalts.

Nach Angaben der Mainzer Staatskanzlei sind derzeit 24 politische Beamte im einstweiligen Ruhestand. Die Kosten für den Steuerzahler lagen im vergangenen Jahr bei 870.000 Euro.

All das war natürlich bei der gestrigen Verabschiedung im schmucken Trierer Rokokosaal kein Thema. Offiziell wurde die von der Mosel stammende Alt-Präsidentin von Innenminister Roger Lewentz und ihrem Nachfolger Thomas Linnertz geradezu mit Lobeshymnen überhäuft. Da war die Rede von Barzens "großem Engagement" und ihrer "Leistungsfähigkeit", davon, dass sie die Behörde geprägt und ihr Amt "mit Herzblut" bekleidet habe. Da mag sich so mancher Zuhörer schon gewundert haben, warum Dagmar Barzen überhaupt ihren Präsidentensessel räumen musste.

Verständlich daher, dass Barzen selbst bei der Verabschiedung unverblümte Worte fand und indirekt Kritik an ihrer Absetzung durch Ministerpräsidentin Malu Dreyer äußerte. "Ich hätte noch Lust gehabt, den Verändungsprozess zu gestalten", sagte Barzen und fügte hinzu: "Aber das Vertrauen in meine Führungskompetenz war nicht mehr vorhanden." An dieser Stelle dürfte der Innenminister heftig geschluckt haben. Barzen schränkte allerdings ein, sie habe um das "Wagnis" gewusst, in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden zu können.

Sie sei eine starke Frau und werde das Beste aus ihrem Leben machen, meinte Dagmar Barzen zum Abschluss ihrer Rede. Ein neues Betätigungsfeld hat die 52-Jährige nach eigenen Angaben bereits gefunden: Sie engagiert sich ehrenamtlich in der Wittlicher Hospizhilfe.Extra

Der neue ADD-Präsident Thomas Linnertz ist ein "Eifeler Jung". Der 40-Jährige stammt aus Hallschlag (Vulkaneifelkreis), hat in Prüm Abitur gemacht und dann in Bonn, Hannover und Schottland Jura studiert. Vor zehn Jahren begann seine Karriere im Mainzer Innenministerium. Kurz zuvor war Linnertz in die SPD eingetreten, ohne bislang parteipolitisch groß in Erscheinung zu treten. Vor seinem Wechsel an die Spitze der ADD war Linnertz Ministerialdirektor im Innenministerium. ADD-Vizepräsidentin Begoña Hermann ist gebürtige Saarländerin. Die 60-Jährige ist studierte Umweltwissenschaftlerin und Psychologin. Hermann ist seit 1985 SPD-Mitglied, gilt als enge Vertraute von Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Vor acht Jahren bewarb sie sich um das Amt des Konzer Bürgermeisters, unterlag damals aber klar gegen den CDU-Bewerber. Bevor Begoña Hermann Mitte Mai an die ADD wechselte, war sie Vizepräsidentin der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. seyExtra

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) ist die zentrale rheinland-pfälzische Verwaltungsbehörde. Sie hat knapp 1000 Mitarbeiter. Anders als bei den 1999 aufgelösten Bezirksregierungen ist der Aufgabenzuschnitt der ADD nicht nur regionaler, sondern auch funktionaler Natur. So erstreckt sich der Zuständigkeitsbereich von kommunalen und hoheitlichen Aufgaben (etwa Kommunalaufsicht oder Dorferneuerung) über Schulen bis hin zu Landwirtschaft, Weinbau und Wirtschaftsrecht. sey

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