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Augenzeugen - Das Ende des Krieges in Schöndorf

Augenzeugen - Das Ende des Krieges in Schöndorf

Margarete Werhan aus Schöndorf, 95 Jahre alt, erlebte die Ankunft der US-Amerikaner in ihrem Dorf. Hier der Bericht der Landwirtin:

Das war wirklich ein Erlebnis damals, das war im April, ich weiß das Datum nicht mehr. Wir waren überglücklich, als die (amerikanischen) Soldaten kamen, dass endlich das Schießen aufgehört hat.

Meine Mutter, mein Vater und ich gingen morgens in die Messe, und wie wir raus kamen, da haben da 4 oder 5 tote Soldaten gelegen. Da hatte der Pastor noch die Messe gelesen für meine Cousine aus Lampaden und die andere Frau, die da umgekommen ist bei uns im Dorf. Unser Haus war zu 60% zerstört, andere Häuser waren ganz abgebrannt. Nachts haben wir uns nur im Keller aufgehalten. Wir hatten einen geschützten (Gewölbe-) Keller. Und nachts fingen sie an zu schießen, da konnte man die Panzer sehen, wie die Maikäfer kamen die in einer Reihe da oben am Horizont lang.

Am Abend war noch der Pastor in den Keller gekommen mit seinen zwei Schwestern, um die Absolution zu geben, wir wussten ja nicht, kommen wir hier lebend raus. Wir waren 22 Personen im Keller mit Kindern. An einem Abend war es so ruhig, kein Geschoss mehr. Auf einmal klopfte jemand an die Stalltür. Ich habe kurz vorher noch die einzige Kuh gemolken. Mein Vater hat gesagt, ich soll nachgucken, wer da ist. Auf jeden Fall bin ich raufgegangen, da hatte ich gerade die Milch gesiebt. Ich war erschrocken, da stehen drei Soldaten, einer mit dem Gewehr (im Anschlag). Und: "Sind Soldaten im Keller?" "Nein, nur Zivilisten." Da hab ich ihm einen Becher Milch geholt. "Trinken Sie zuerst." Da hab ich erst getrunken, dann hat er den Becher leer getrunken, und da haben die anderen auch getrunken. Ich hätte am liebsten "Großer Gott" gesungen, dass die da waren. Dann gingen sie in den Keller. "Gehen Sie vor!"

Da ging der Chef zum Pastor, gab ihm die Hand. Und da war ein junger Mann mit Frau und Kindern. Er (der Soldat) greift nach dem Hals des Mannes nach der Erkennungsmarke, die war da nicht. Und hat noch geredet mit uns. Mein Vater sagte: "Endlich ist es aus." Ja, für uns war der Krieg aus. Margarete Werhan, protokolliert von ihrem Schwiegersohn.