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Aus der Eifel in den Anti-Terror-Einsatz

Aus der Eifel in den Anti-Terror-Einsatz

Sie sollen nicht kämpfen, sondern Luftbilder schießen. Dennoch ist der Einsatz der Bundeswehr in Syrien mit Risiken verbunden. In Büchel sind am Dienstag zwei Tornado-Jets Richtung Türkei gestartet. Der TV war dabei.

Büchel. Last Chance - letzte Gelegenheit heißt der weite, asphaltierte Platz, auf dem die beiden Tornados ein letztes Mal stoppen. Die nasskalte, nach Kerosin riechende Januarluft beginnt im Abgasstrahl zu flimmern, während Männer in gelben Westen überprüfen, ob die Reifen in Ordnung sind, alle Klappen geschlossen, ob alles klar für den Start ist. Es ist ein Routinecheck. Aber kein Routineeinsatz.
Tags und nachts scharfe Bilder


Deshalb sind neben dem Kommodore auch zwei Dutzend Politiker und Journalisten beim Start dabei. Die Mission, auf die sich die Piloten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 von Büchel aus begeben, gilt als eine der heikelsten in der Geschichte der Bundeswehr: Sie werden die internationale Anti-IS-Koalition im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat unterstützen. Nicht mit den Maschinenkanonen und den Lenkflugkörpern ihrer Tornados, sondern mit einem Aufklärungssystem namens RecceLite: In einem Behälter, der unter den Rumpf des Flugzeugs montiert wird, befinden sich Sensoren, die bei Tag und Nacht hochauflösende Bilder vom Geschehen auf syrischem Grund liefern können.
Es wird also kein Kampf- sondern ein reiner Aufklärungseinsatz. Allerdings über einem Gebiet, in dem der Terror tobt. Wie hoch ist da das Risiko für die Piloten? "Der Einsatz ist sicherlich nicht ungefährlich, aber wir haben alle planerischen Maßnahmen ergriffen", sagt Geschwaderkommodore Holger Radmann.
So werden die Jagdbomber in Syrien nicht das machen, was sie besonders gut können: automatisch dem Gelände folgend tiefstfliegen. Stattdessen sollen die Jets in mittleren Höhen von mehreren Kilometern über Grund unterwegs sein - eine Entfernung, die sie laut Radmann für schultergestützte Flugabwehrraketen, wie sie für Terrorgruppen typisch sind, unerreichbar macht. Zudem verfügen die Tornados über Systeme, die feindliches Radar unterdrücken und Raketen ablenken können. Es bleibe ein gewisses Risiko, dass eine Maschine wegen technischer Defekte nicht zurückkehren könne. Allerdings versichert der Kommodore, dass die rund 30 Jahre alten Flugzeuge "extrem gewartet" würden und in einem "hervorragenden technischen Zustand" seien.
Kurz vor der Bundestagsdebatte über den Syrieneinsatz war dem Verteidigungsausschuss im Dezember ein Bericht vorgelegt worden, demzufolge nur 29 der 93 Bundeswehr-Tornados einsatzbereit sind. Der Grund: Ersatzteilmangel.
Insgesamt sechs Tornados werden auf dem südtürkischen Nato-Stützpunkt Incirlik stationiert. Wirklich benötigt werden nur vier: Zweimal täglich sollen je zwei Jets Richtung Syrien starten.
Wie es den Piloten vor dem Start in diese risikoreiche Lebensphase geht, lässt sich nicht einmal erahnen. Ihre Gesichter sind hinter den verregneten Cockpitscheiben und den Sauerstoffmasken kaum zu erkennen. Acht Wochen sollen die Männer bleiben, ehe Kameraden sie ablösen. "Das ist nicht zu lang, wenn es um die Trennung von Familie und Freunden geht", sagt Radmann, der ab April selbst für vier Monate in die Türkei geht.
"Es geht um unsere Freiheit"


Der Kommodore löst sich aus der Gruppe, um zu salutieren, während die Flugzeuge abdrehen und Richtung Startbahn rollen. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Bleser schaut ihnen nach. "Im Bundestag beschließt sich das leicht", sagt er, "aber wenn man dann hier steht und die Menschen sieht, die für uns ihr Leben riskieren …" Der Cochemer hat für den umstrittenen Einsatz gestimmt. "Es geht um unsere Freiheit", sagt er. Das, was diese Verbrecher in Syrien anrichteten, führe zur Massenflucht. "Die Förderung des internationalen Terrorismus gefährdet direkt unsere Sicherheit und unsere Form zu leben", sagt Bleser. Dann nähern sich die Düsenjäger, und während die Piloten die Nachbrenner zünden und eine blendende Stichflamme die Triebwerke erhellt, verwandelt sich ihr Donnern in ein so ohrenbetäubendes Grollen, dass die Zuschauer die Vibrationen in ihren Eingeweiden spüren. Keine zwei Sekunden später sind die Flugzeuge in den dichten Wolken verschwunden.
Dort oben treffen sie auf zwei weitere Tornados aus Schleswig-Holstein und ein Tankflugzeug, die das gleiche Ziel haben. Zwei weitere deutsche Jets sollen Mitte Januar folgen. Wie lange dieser Einsatz dauern wird, weiß niemand.Extra

Die deutsche Mission gegen den Islamischen Staat trägt den Namen Operation Counter Daesh. Daesh ist eine international gebräuchliche Bezeichnung für die Terrormiliz. Mit dieser Abkürzung verweigert das Bündnis der Miliz jenen Namen, den sie sich selbst gab, und jenen Anspruch, den sie stellt, nämlich ein Staat zu sein. Medienberichten zufolge ist die Verwendung des Begriffs im IS-Gebiet verboten. Neben den Tornados und einem Tankflugzeug kommt auch die Fregatte Augsburg zum Einsatz, die einen französischen Flugzeugträger sichert. Maximal 1200 Soldaten sollen sich an dem Einsatz beteiligen. Etwa 100 sind seit Montag in der Türkei. Mos/dpa