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Aus Einwohnern Bürger machen

Aus Einwohnern Bürger machen

Zunächst erzählte Kurt Beck einen Witz: Treffen sich ein Japaner und ein Deutscher. "Ich arbeite sechs Stunden am Tag für mich und meine Familie", sagt der Japaner, zwei Stunden für den Kaiser und zwei für Japan." Darauf der Deutsche: "Ich arbeite auch sechs Stunden am Tag für mich und meine Familie.

Aber einen Kaiser haben wir nicht, und warum sollte ich für Japan arbeiten?" Ein neues Kapitel in Sachen Bürgerschelte wollte der Mainzer Ministerpräsident bei seiner Festansprache vor dem rheinland-pfälzischen Städtetag damit freilich nicht aufschlagen: Es gebe im Land viele Beispiele für bürgerschaftliches Engagement, lobte er. Aber: "Wir müssen das intensivieren. Wir werden unser Niveau nur dann halten können, wenn alle bereit sind, über ihren Beruf hinaus etwas zu tun." "Bürgerschaftliches Engagement - Wege zur Bürgergesellschaft": Dieses Thema stand im Vordergrund der diesjährigen Mitgliederversammlung des Städtetags im Tagungszentrum der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier. Neben Beck unterstrichen der scheidende Städtetags-Chef Jens Beutel, Triers OB Helmut Schröer, Landtags-Präsident Christoph Grimm und Peter Adrian, Vizepräsident der IHK Trier, in Grußworten die Notwendigkeit, dass sich Menschen einbringen. "Es muss uns gelingen, aus Einwohnern Bürger zu machen", sagte Schröer. Landes-Chef Beck forderte vor allem, die Generationen zusammen zu bringen und neue Wohn-Formen anzustoßen, in denen man sich gegenseitig unterstütze. "Wir dürfen die Älteren nicht abschreiben, während der kleiner werdende Gruppe der Jüngeren immer größere Belastungen aufgebürdet werden. Das führt zwangsläufig zu einem Kollaps." Es gebe kein Patentrezept für mehr Engagement, sagte Beck, per Gesetz sei in dieser Hinsicht wenig zu machen. Er warb um mehr Anerkennung für Ehrenamtliche, appellierte an Lehrer, entsprechend auf den Nachwuchs einzuwirken, und an Arbeitgeber, Bewerber zu bevorzugen, die sich in die Gesellschaft einbringen. Neben bürgerschaftlichem Engagement bestimmten Themen wie Gemeindefinanz- und Gebietsreform sowie Wahlen das Treffen. Der Landauer Oberbürgermeister Christof Wolff folgt seinem turnusgemäß ausgeschiedenen Mainzer Kollegen Jens Beutel an die Spitze des rheinland-pfälzischen Städtetags; als Stellvertreter wählten die Rathaus-Chefs neben Beutel Fritz Wagner aus Kirn.