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Ausreichend Platz für 400 Wolfsrudel

Ausreichend Platz für 400 Wolfsrudel

Es ist nur eine Frage der Zeit, dass auch in Rheinland-Pfalz wieder Wölfe heimisch werden, sagt Moritz Klose vom Naturschutzbund Nabu. Experten gehen davon aus, dass in Deutschland ausreichend Platz ist für 400 Rudel.

Ende April sorgt eine angeblich außergewöhnliche Begegnung im Westerwald für Schlagzeilen. Eine Autofahrerin entdeckt auf einer Kreisstraße einen vermeintlichen Wolf, fotografiert das Tier mit ihrem Handy und zeigt die Aufnahme Experten der Gesellschaft für Haustierforschung. "Eindeutig ein Wolf", so das Urteil der Haustierforscher.

Drei Tage später folgt die Rolle rückwärts: Der angebliche Wolf war gar keiner, allenfalls ein wolfsähnliches Tier, wie Experten der Landesforschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft bescheinigen.
Verwirrt statt aufgeklärt

Für Moritz Klose vom Naturschutzbund Nabu ist das Verwirrspiel um den Westerwälder Wolf ein Paradebeispiel dafür, dass Rheinland-Pfalz dringend einen sogenannten Wolfsmanagementplan benötigt. Gäbe es diesen Plan, hätten die zuständigen Behörden die Information über den angeblich gesichteten Wolf erst dann an die Öffentlichkeit gegeben, wenn sie zweifelsfrei sicher gewesen wären. So aber, kritisiert Klose, "wurde die Bevölkerung verwirrt statt aufgeklärt". Dabei gebe es gerade in Bezug auf das in Deutschland lange Zeit ausgerottete Raubtier schon heute ausreichend Mythen und Legenden.

Klose und seine Kollegen haben es sich zur Aufgabe gemacht, mit den Falschmeldungen und Ammenmärchen über den Wolf aufzuräumen. Etwa dass das Raubtier Menschen gefährlich werde oder Beutetiere in Wolfsgebieten von der Ausrottung bedroht seien. "Ob Wölfe in Deutschland eine Überlebenschance haben, entscheidet sich maßgeblich in unseren Köpfen", sagt Nabu-Projektleiter Klose.

Für den Experten steht fest: Das jüngst im Westerwald gesichtete Tier war zwar kein Wolf. "Aber natürlich wird es schon bald auch in Rheinland-Pfalz wieder Wölfe geben." Ob die Tiere dann von der italienisch-französischen Population abstammen, wie der zuletzt nahe Metz gesichtete Wolf, oder von osteuropäischen Populationen, wie die Wölfe in Mecklenburg-Vorpommer oder Niedersachsen, ist offen. "Beides ist denkbar", sagt der Nabu-Experte.

Wichtig ist nach Kloses Ansicht nur, dass Verantwortliche, Betroffene und Bürger vor Ort darauf vorbereitet sind. "Deshalb brauchen wir auch in Rheinland-Pfalz ein solches Handbuch, wie mit Konflikten umzugehen ist und beispielsweise Nutztierhalter entschädigt werden sollen, wenn ein Wolf Tiere gerissen hat." Neben Rheinland-Pfalz gibt es nach Nabu-Angaben bislang auch in Nordrhein-Westfalen, Hessen und im Saarland keinen Wolfsmanagementplan.

Die rheinland-pfälzische Forstministerin Ulrike Höfken hatte vor kurzem im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt, dass der Plan derzeit in der Endabstimmung sei - unter Beteiligung der betroffenen Verbände. Die Grünen-Politikerin ist in ihrer Argumentation jedenfalls ganz aufseiten der Naturschützer. Um auf die Rückkehr des Wolfs vorbereitet zu sein, müssten Kenntnisse vermittelt und Verständnis für das eher menschenscheue Tier geweckt werden, sagt Höfken.

Extra:
Was halten eigentlich die rheinland-pfälzischen Jäger von der Rückkehr des Wolfs? Sagen wir es mal so: Die Begeisterung hält sich in Grenzen. Zumindest bei Jägerpräsident Kurt Alexander Michael. "Passt der Wolf zu uns?", lautet seine Antwort auf die Frage, ob die Jägerschaft das Raubtier willkommen heiße. Wenn sich die Landesjäger am Freitag zu ihrer Jahresversammlung in Landau treffen, steht das Thema Wolf zumindest offiziell nicht auf der Tagesordnung. Dafür Wahlen: Der seit 16 Jahren amtierende Präsident Kurt Alexander Michael aus Ließem bei Bitburg tritt noch einmal an. Auch Vize Gundolf Bartmann (Trier) kandidiert für weitere vier Jahre.