Autodiebstähle: Funkschlüssel werden zum Sicherheitsrisiko - Landeskriminalamt beunruhigt

Autodiebstähle: Funkschlüssel werden zum Sicherheitsrisiko - Landeskriminalamt beunruhigt

Moderne Autoschlüssel machen Dieben das Leben leicht. Die komfortable Funktechnik lässt sich relativ einfach überwinden. Für Fahrzeugbesitzer ist diese Sicherheitslücke fatal, denn im schlimmsten Fall wird der Schaden nicht von der Versicherung ersetzt.

Eigentlich ist es eine feine Sache: Wer ein Auto mit einem sogenanntem Keyless-System fährt, muss nicht mehr nach seinem Schlüssel kramen, sondern der Funkschlüssel in der Tasche des Besitzers entriegelt und startet das Auto automatisch. Doch dieser Komfort birgt ein hohes Risiko, wie brisante Testergebnisse des ADAC jetzt belegen. Zahlreiche Modelle von in- und ausländischen Herstellern weisen eine gravierende Sicherheitslücke auf. Diebe können sehr leicht das Funksignal abfangen, das Auto öffnen und davonfahren.

"Wir gehen davon aus, dass allein in Deutschland einige 100.000 Fahrzeuge betroffen sind", sagt Christian Buric vom ADAC. Die Liste der vom Automobilclub als gefährdet eingestuften Modelle ist lang und umfasst Klein-, Geländewagen und Luxuskarossen. Sie reicht von der BMW Siebener Reihe bis zu dem Volkswagen Volumenmodell Golf. Diese Entwicklung sieht das Landeskriminalamt in Mainz mit Beunruhigung. "Seit August 2015 haben wir verschiedene Fälle in Rheinland-Pfalz registriert. Eine exakte Auswertung ist aber bisher nicht möglich, weil wir die Erkenntnisse erst im Nachgang etwa bei einer Videoauswertung gewinnen können", sagt eine Behördensprecherin.

Wie ernst die Sicherheitsbehörden die Bedrohung jedoch einschätzen, zeigt ein Blick nach Baden-Württemberg. Dort hat das Landeskriminalamt bereits eine eigene Ermittlungsgruppe für Diebstähle von Autos mit Keyless-Systemen eingesetzt. Besonders heikel: Nach ADAC-Angaben gibt es herstellerseitig noch keine Nachrüstlösung für betroffene Autos. "Die Autoproduzenten arbeiten zurzeit an einer Behebung des Problems", sagt Eckehart Rotter vom Branchenverband VDA. Die Sicherheitslücke wirft zudem ein Versicherungsproblem auf.

"Bei einem Diebstahl muss der Autobesitzer nachweisen, dass ein Versicherungsfall vorliegt", sagt ADAC-Sprecher Buric. Denn falls das Fahrzeug wieder auftauche, weise es keinerlei Aufbruchsspuren auf. Die Versicherer könnten dem Besitzer dann Versicherungsbetrug oder zumindest fahrlässigen Umgang mit den Schlüsseln vorwerfen. In beiden Fällen wird die Leistung verweigert.

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