Autolobby und Polizei streiten über Blitzereinsätze

Autolobby und Polizei streiten über Blitzereinsätze

Die Polizei hat im vergangenen Jahr in der Region Trier mehr als 12 000-mal Bußgelder gegen Autofahrer verhängt, die zu schnell gefahren sind. Oft sei der Einsatz der Blitzer am Straßenrand unbegründet, sagen Kritiker.

Trier. Wer heute mit dem Auto in Daun unterwegs ist oder auf der L 33 bei Plütscheid (Eifelkreis Bitburg-Prüm), sollte nicht zu schnell fahren. Die Polizei hat dort Radarkontrollen angekündigt. So, wie es fast jeden Tag irgendwo in der Region blitzt. An 6208 Stunden gab es im vergangenen Jahr Geschwindigkeitskontrollen. Umgerechnet wären das 259 Tage auf den Straßen der Region. 12 580-mal wurden Bußgelder verhängt, 39 250-mal Verwarnungen ausgesprochen oder Knöllchen bis zu 35 Euro ausgestellt. 2011 wurde sogar noch häufiger kontrolliert, nämlich insgesamt 6670 Stunden; 17 919 Ordnungswidrigkeitsverfahren wurden eingeleitet.

Die Bußgelder wegen Verkehrsverstößen flossen bis Ende vergangenen Jahres direkt in die Kassen der Landkreise. Über zwei Millionen Euro haben die vier Kreise in der Region dadurch pro Jahr eingenommen. Seit Januar geht das Geld direkt ans Land (der TV berichtete).

Experten bezweifeln, dass die vielen Blitzereinsätze begründet sind. "Einmalige Geschwindigkeitskontrollen bringen nichts", sagt der Trierer Verkehrspsychologe Richard Tank. "Geblitzte" Autofahrer würden nur selten dauerhaft abgeschreckt. Zumal die Polizei häufig dort blitze - etwa nachts an vierspurigen, kaum befahrenen Straßen -, wo sich die Sinnhaftigkeit von Kontrollen nicht erschließe. Das kritisiert auch Reinhard Moll vom Automobilclub ADAC in Koblenz. Häufig werde gar nicht an Gefahrenstellen geblitzt. Karl-Peter Jochem, Sprecher des Trierer Polizeipräsidiums, wehrt sich gegen den Vorwurf der Abzocke: Es werde nur dort geblitzt, wo sich regelmäßig Unfälle ereigneten oder wo Unfallgefahr bestehe, außerdem in der Nähe von Schulen und Kindergärten.

Auch der seit Donnerstag laufende Verkehrsgerichtstag im niedersächsischen Goslar beschäftigt sich mit Geschwindigkeitsmessungen. Kontrollen seien wichtig, aber sie müssten auch akzeptiert werden, sagt der Präsident des Verkehrsgerichtstages, Kay Nehm.

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