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Babic-Prozess: Opfer und Zeuge können Angreifer nicht identifizieren

Babic-Prozess: Opfer und Zeuge können Angreifer nicht identifizieren

Am zweiten Tag des Prozesses gegen den NPD-Politiker Safet Babic (29), der sich zusammen mit zwei weiteren Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Trier verantworten muss, schilderten das Opfer und ein Augenzeuge ihre Erinnerungen an den Überfall im Mai 2009.

Trier. Eine Gruppe dunkel gekleideter Männer hat den heute 22 Jahre alten Studenten Stefan B. (Name geändert) aus Wiltingen am Abend des 18. Mai 2009 geschlagen und getreten - das bezweifeln zurzeit weder die Kammer noch die Staatsanwaltschaft oder die Verteidigung. B. hat eine Gehirnerschütterung, eine Halswirbelstauchung und eine Bauchprellung erlitten, er lag zwei Tage im Krankenhaus. Ein Augenzeuge hat den Überfall beobachtet. Opfer und Zeuge sagten gestern, am zweiten von insgesamt fünf geplanten Verhandlungstagen, vor dem Landgericht Trier aus.

Die zentrale Frage dieses Prozesses bleibt danach weiterhin offen: Gehörten Safet Babic, der seit 2009 für die NPD im Trierer Stadtrat sitzt, und die beiden anderen Angeklagten, ein 24-Jähriger aus Koblenz und ein 29-Jähriger aus Trier, zu diesen Angreifern? Haben sie Stefan B. geschlagen und getreten? Das wirft die Staatsanwaltschaft ihnen vor, doch weder Opfer noch Zeuge haben die Schläger erkannt.

Laut Anklage war die Gruppe der Angreifer ein von Babic zusammengestelltes "Rollkommando" der NPD, das hinter drei Leuten, darunter Stefan B., her war, weil diese Wahlplakate der NPD abgerissen haben. B. sagte dazu nichts. Das Zerschneiden von Wahlplakaten ist eine Sachbeschädigung, und er muss sich vor Gericht nicht selbst belasten.

Er räumte allerdings ein, dass er zusammen mit zwei Bekannten, einem Mann und einer Frau, am Abend des 18. Mai 2009 von der Polizei zum Thema NPD-Plakate vernommen worden sei.

Danach habe das Trio das Polizeigebäude verlassen und sei zu Fuß in Richtung City aufgebrochen.

Auf dem Weg dorthin sei es dann geschehen, sagte B. aus. "Wir standen plötzlich vor einer Gruppe aus acht oder neun Personen." Mit zu dieser Gruppe habe auch Safet Babic gehört. "Ich kannte sein Gesicht aus der Zeitung und habe ihn sofort erkannt", betonte B. mehrmals.

B. und seine beiden Bekannten seien weggerannt, die Babic-Gruppe habe sie verfolgt. Den beiden anderen sei die Flucht gelungen, Stefan B. jedoch nicht. Er habe einen Schlag mit der Faust gegen den Hinterkopf erhalten, sagte er aus. "Ich bin gestürzt und habe dann gesehen, wie ein Pulk von drei oder vier der Verfolger auf mich zu kam." Auch Safet Babic sei dabei gewesen.

Doch ob Babic dann auch zu denjenigen gehörte, die Stefan B. mehrfach geschlagen und getreten haben - das wissen weder B. selbst noch der Augenzeuge, der laut eigener Aussage den Angriff aus einiger Entfernung von einer Bushaltestelle aus gesehen hat. "Ich habe mich dann auch weggedreht, meinen Kopf mit den Armen geschützt und keine Gesichter erkannt", erklärte das Opfer. "Ich war zu weit weg, um Gesichter identifizieren zu können", sagte der Zeuge.

Der Prozess wird am 3. November fortgesetzt.