Baldauf-Premiere

MÜLHEIM-KÄRLICH. An Deutschlands Fußball-WM-Euphorie will sich die Landes-CDU "nach dem geplatzten Titel-Traum" bei der Landtagswahl ein Beispiel nehmen und zu neuem Mannschaftsspiel finden. Mit Hoffnungsträger Christian Baldauf als "Klinsmann" der Union soll es einen neuen Aufstieg geben.

Die Anleihen bei der derzeitigen Begeisterung rund um die Fußball-Nationalmannschaft, Sunnyboy Jürgen Klinsmann und Franz Beckenbauer wurden schon arg strapaziert, als sich die Landes-CDU am Samstag in Mülheim-Kärlich versammelte, um die gewaltige Wahlpleite vom 26. März zu verarbeiten und den erneuten Abstieg in der Wählergunst zu verdauen. Die Wunsch-Botschaft des Parteitages: Der lange umstrittene Nationaltrainer hat trotz Widerstände nach einer großen Pleite durch Zielstrebigkeit eine Mannschaft mit Teamgeist aufgebaut, die den Zuschauer begeistert. Entsprechend eindringlich appellierte Baldauf an das Parteivolk, ein neues "Wir-Gefühl" zu entwickeln. Ohne diesen Zusammenhalt sieht er keine Chance, das Publikum nachhaltig für sich zu gewinnen. In seiner Vorstellungsrede beschwor der Jurist aus Frankenthal mehrfach den Teamgeist, der Kräfte mobilisieren und eine Mannschaft, in der mit Fairplay miteinander umgegangen werden müsse. Das Wort "Aufbruch" kam keinem der Redner bei aller Beschwörung eines Neuanfangs über die Lippen. Zu oft hat die CDU seit der Abwahl Bernhard Vogels 1988 und dem folgenden Verlust der Regierungsmacht 1991 einen neuen Aufbruch ausgerufen - und in steter Regelmäßigkeit damit im Gegeneinander von parteiinternen Lagern und Fraktionen Schiffbruch erlitten. Vier Wahlniederlagen in Folge stecken der Partei in den Knochen, wie der zurück getretene Vorsitzende Christoph Böhr bilanzierte, um nicht ohne einen Schuss von Bitterkeit festzustellen: "Eine Partei ohne Spannungen oder öffentliche Diskussionen gibt es nicht - ohne Heckenschützen schon." Er wünschte Baldauf, dass ihn die Partei auch einmal lobe, wenn er etwas gut mache und "die Erfahrung, von Vertrauen getragen zu sein", auf die er offenbar zu häufig vergeblich wartete. Nach neun Jahren im Amt des Vorsitzenden gab es für Böhr nur wenig mehr als Pflichtapplaus zum Abschied."Partei braucht wieder Ecken und Kanten"

Mehr Hoffnung als Überzeugung schwang mit, wenn Baldauf die CDU mahnte, sich künftig mehr mit den Anliegen der Bürger und der Auseinandersetzung mit der politischen Konkurrenz zu beschäftigen als mit sich selbst. Klare Konturen will er der Partei geben, die nach seiner Überzeugung "wieder Ecken und Kanten braucht". Doch die neuen Ecken blieben sein Geheimnis. Auch seine Deklaration, nicht so sehr dem Zeitgeist zu verfallen und eine "Politik nahe am Menschen" mehr auf Stammwähler als auf Wechselwähler auszurichten, fand eher müden Beifall, als dass sie Begeisterung auslöste. Hoffnung keimte eher bei den Attacken gegen einen "Teilzeit-Ministerpräsidenten" Kurt Beck auf, der zunehmend bundespolitisch in der großen Koalition gefordert sei. Mit leichtem Schmunzeln quittierte so mancher Delegierte das vom neuen Hoffnungsträger ausgegebene Ziel, die Landes-Union zur stärksten Opposition Deutschlands zu machen, um 2011 an die Regierung zu kommen.Keine überschwängliche Stimmung

Die auf Neuaufstellung programmierten Delegierten gaben trotz einer Rede ohne große Höhepunkte Baldauf bei seiner Wahl 93 Prozent Zustimmung mit auf den Weg. Selbst wenn Christian Baldaufs Stellvertreter Günther Schartz (Trier-Saarburg) "keine überschwängliche Stimmung" ausmachte, so sah er doch die richtigen Signale für eine neue Gemeinsamkeit in der CDU gesetzt. Mehr Zurückhaltung legte der Trierer Bezirkschef Michael Billen an den Tag, der Baldauf "in der Pflicht" sieht. Der neue Vorsitzende müsse den großen Vertrauensvorschuss jetzt auch ausfüllen, forderte Billen. Dass bei den Vorstandswahlen mit der Südpfälzer Landtagsabgeordneten Christine Schneider eine ausgewiesener Böhr-Anhängerin auf der Strecke blieb, sorgte nur vereinzelt für Verdruss. "Wahlen sind Wahlen", lautete Christian Baldaufs Kommentar. Für ihn zählt, dass die Partei geschlossen nach vorn strebt. "Pack mer's!", zitierte er den Fußballkaiser in Hoffnung auf das Aufstiegswunder.