Banker in Revoluzzer-Stimmung

Banker in Revoluzzer-Stimmung

LUXEMBURG. Die Linken zetern, und die Banker freuen sich. Eine Anzeigenkampagne der luxemburgischen Bank Dexia-Bil sorgt im Ländchen für Aufregung. Grund: Die Banker werben ausgerechnet mit dem Konterfei des kubanischen Revolutionärs Che Guevara.

Das berühmte Foto des entschlossen in die Ferne schauenden Revoluzzers Ernesto Che Guevara kennt wohl jedes Kind. Das Anfang 1960 von Alberto Korda bei einer Beerdigung in Havanna geschossene Foto des damals 31-jährigen Castro-Kompagnons wurde weltweit millionenfach nachgedruckt, ziert T-Shirts, Uhren, Feuerzeuge und sogar Rotweinflaschen. Proteste gegen die grenzenlose Vermarktung des Antikapitalisten Guevara gab es zwar immer wieder, genutzt aber haben sie nichts. Seit dieser Woche ist die "Che-Manie" um eine weitere Episode reicher. Mit dem luxemburgischen Unternehmen Dexia-Bil wirbt nun ausgerechnet eine Bank mit dem Portrait des selbst ernannten Geld-Verächters Che Guevara. Von den Bankern leicht verfremdet: das Barett des im Oktober 1967 in Bolivien erschossenen Sozialisten. Wo im Original-Foto ein roter Stern glänzt, ziert nun der Schriftzug der luxemburgischen Bank den revolutionären Kopfschmuck.Das findet der Verein für die luxemburgisch-kubanische Freundschaft gar nicht witzig. In einer Pressemitteilung echauffiert sich "Amistad Luxemburgo-Cuba" über die "Vereinnahmung einer Leitfigur des Sozialismus". Che Guevara, sagt Präsidentin Danielle Wagener-Kies, "steht für eine gerechte Welt und kann niemals Sinnbild des Kapitalismus sein".Dexia-Bil-Sprecher Tom Anen argumentiert ähnlich, nur eben andersherum: "Wir wollen uns nicht mit den Überzeugungen Che Guevaras identifizieren", sagt er. Warum aber dann die Werbung mit dem revolutionären Konterfei? "Ganz einfach", erklärt der Sprecher, "wir wollen uns als älteste luxemburgische Bank ein neues Image geben. Und wir wollen unseren Kunden zeigen, dass wir dynamisch sind und bereit, neue Wege zu gehen."Deshalb schaltet die Bank seit Montag landesweit ganzseitige Anzeigen und wirbt selbst auf Baustellen mit den blauen Che-Plakaten. Die Reaktionen, sagt Anen, seien bislang größtenteils positiv. Abgesehen vielleicht von dem empörten luxemburgisch-kubanischen Freundschaftsclub und einigen "Künstlern", die Guevara-Plakate mit durchgestrichenen Dollar-Symbolen verziert haben. "Wir wollen den Luxemburgern auf humoristische Art zeigen: Hey, wir haben uns geändert", erklärt der Dexia-Sprecher. Soweit, dass die bislang stets in feinsten Zwirn gehüllten Bank-Manager künftig im oliv-grünen Revoluzzer-Tarnanzug erscheinen, gehe die Veränderungsbereitschaft allerdings nicht, schränkt Anen ein. "Die kommen weiter mit Schlips und Kragen." Dass der Vorzeige-Revolutionär und Geld-Hasser Che Guevara überhaupt keinen Bezug zum Kreditwesen hatte, ist übrigens so falsch wie der Dexia-Schriftzug auf seinem Barett. Immerhin ernannte ihn Castro im November 1959 zum Präsidenten der kubanischen Staatsbank. Die Geschichte, wie es dazu kam, ist fast schon legendär: Bei einer Versammlung der revolutionären kubanischen Leitung fragte Castro, ob es einen Freiwilligen für das Amt des Zentralbank-Präsidenten gebe, der zudem "Ökonomist" sei. Che, der eingedöst war, verstand "Kommunist", hob die Hand und bekam den Job.

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