"Bauchweh" wegen Ausbaukosten

MAINZ. Die Explosion der Ausbaukosten des Kaiserslauterner Fußballstadions bleibt umstritten. Das Land habe nicht energisch kontrolliert und gegengesteuert, behauptet die Opposition. Innenminister Karl Peter Bruch drängte nach eigenen Angaben die Stadt als Bauherr zur Kostensenkung.

Eine unrealistische Ausgabenschätzung und Planungsmängel haben CDU und Grüne in einer Sondersitzung des Haushaltsausschusses für die rasant gestiegenen Ausbaukosten verantwortlich gemacht. Das Land habe Warnungen durch ein Gutachten der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) vor einer unzureichenden Finanzierung nicht ernst genug genommen, kritisierte CDU-Fraktionsvize Adolf Weiland. Nicht nachvollziehbar ist für ihn, wieso die schwierige Gründung der Westtribüne unterschätzt werden konnte. Grünen-Fraktionschefin Ise Thomas monierte, die Landesregierung habe irgendwann gesehen, dass es finanziell "verdammt eng" werde. Die Finanzverantwortung sei dennoch an die Stadt gegeben worden, obwohl das Land den Großteil der Mehrkosten tragen müsse. Auf rund 48,5 Millionen Euro wurde 2001 der Ausbau des Betzenbergs zum WM-Stadion veranschlagt. Inzwischen laufen die Schätzungen auf fast 75 Millionen Euro hinaus, und die Arena musste von einer städtischen Stadiongesellschaft übernommen werden, weil der Verein vor der Pleite stand. Die Mehrausgaben werden vor allem durch die aufwändige Absicherung der Westtribüne, zusätzliche Auflagen des Weltfußballverbands sowie höheren Baunebenkosten und Stahlpreisen verursacht. Zu einem Drittel müssen sie von der Stadt, zu zwei Dritteln vom Land getragen werden. Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) hatte zwar nach eigenem Bekunden zeitweise "Bauchweh" wegen des Kostenanstiegs und gab das baufachliche Gutachten bei der ADD in Auftrag, das 2003 Mehrkosten von bis zu 18 Millionen Euro schätzte. Auch wenn er sich damals überlegt habe, "ob das Risiko noch zu stemmen ist", sei doch klar gewesen, dass es kein Zurück mehr habe geben können. Die Stadt mit ihrer Stadiongesellschaft als Bauherr wurde nach seinen Angaben gedrängt, die Kosten in den Griff zu bekommen. Auflagen konnten laut Bruch jedoch nicht gemacht werden. Zudem habe Kaiserslautern die Berechnungen der ADD in Zweifel gezogen, so der Minister. Dass Mehrkosten nicht mehr, wie vertraglich ursprünglich einmal vereinbart, zu Lasten des 1. FCK gehen, ist nach Angaben von Finanz-Staatssekretär Ingolf Deubel "sehr ärgerlich", aber nach dessen Fast-Pleite unabänderlich.