Bauen für Singles

Entstehen zu viele Häuser auf dem Land? Nein, sagen Experten aus den Kreisen. Es gebe Gruppen, für die es an Wohnungen fehle.

Trier/Bitburg/Wittlich Stellen wir uns mal eine Eigentumswohnung vor, sehr gute Lage, 90 Quadratmeter groß. Jetzt gibt es die Wohnung einmal im luxemburgischen Echternach, einmal in der Stadt Trier und dann noch mal in der Eifel. Der große Unterschied, trotz identischer Größe und Ausstattung der Bude: Wer sie in Luxemburg bewohnt, zahlt dafür bis zu 380 000 Euro, in Trier kostet sie gut 220 000 Euro und in der Eifel noch mal deutlich weniger. Das weist der Landesgrundstücksbericht 2017 aus, der dokumentiert, warum grenznahe Gemeinden in der Region Trier seit Jahren einen regen Zulauf haben.
Thomas Müller, Pressesprecher des Kreises, sieht nicht, dass auf dem Land zu viel gebaut wird. Der Bedarf sei einfach da. Nicht aus Spekulationsbegierden, sondern aus dem Antrieb, den Wunsch vom Eigenheim zu erfüllen. "Wir bauen nicht umsonst Kindergärten und Schulen aus", sagt er. Die Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die dem ländlichen Raum eine zu hohe Bautätigkeit vorwirft, ärgere ihn daher. "Wer das schreibt, ist noch nie bei uns gewesen."
Und wie sieht das der Landrat des Vulkaneifelkreises, Heinz-Peter Thiel? Auch er sagt, er sehe "weniger das Problem einer Überfrachtung von Häusern" auf dem Land. Im Gegenteil. Thiel geht von einem Baubedarf aus, aber vorwiegend bei kleinen Ein- und Zweizimmerwohnungen. "Solche Wohnungen fehlen auf dem platten Land, obwohl sie bei Singles, jungen Paaren oder Fachkräften begehrt sind, die vielleicht nur unter der Woche eine Bleibe suchen", sagt Thiel.
Das Angebot solle in der Vulkaneifel wachsen, Gespräche mit der Architektenkammer und Verbänden gebe es bereits. "Wir wollen für junge Menschen attraktiv sein", sagt Thiel.
Joachim Streit, Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, befürwortet ebenfalls einen solchen Ausbau. "Die Zeiten haben sich geändert, es gibt mehr Trennungen, mehr Singles, nicht alle jungen Menschen wollen sich früh an die Entscheidung binden, ein Haus zu kaufen." Bestätigt habe ihn eine Geschichte aus dem Eifel-Ort Harspelt, die er erzählt. Dort sei ein barrierefreies Mietshaus gebaut worden, das ursprünglich für ältere Menschen gedacht war. Nun werde es aber von jungen Leuten bewohnt, von Berufsstartern. Auch die Digitalisierung nennt er als wichtigen Schritt, um junge Menschen auf dem Land zu halten, in der Eifel soll bald jeder eine Internet-Geschwindigkeit von mindestens 50 Megabit in der Sekunde haben.
Während die Eifel an der Zukunft feilt, gehen die Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft davon aus, dass eher die Ballungsräume Wohnungen brauchen. In Berlin etwa sind laut Studie in den vergangenen Jahren nur 40 Prozent der benötigten Wohnungen gebaut worden, in München 43 Prozent und in Hamburg 59 Prozent. Auf dem Land werde dagegen vom Emsland bis zur Eifel zu viel gebaut, sagen sie. Ein Extrembeispiel: Im Landkreis Waldeck-Frankenberg nördlich von Marburg wären nach IW-Einschätzung lediglich sieben neue Wohnungen notwendig gewesen. Gebaut wurden jedoch fast 200, was laut Studie 2764 Prozent des Bedarfs entspricht.
Winfried Manns, Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Städte- und Gemeindebundes, sieht die Konzentration auf die Metropolen kritisch. "Die Gemeinden zwingen ja niemanden, in den Dörfern bauen zu wollen", sagt er. Und pocht darauf, dass bei der Hilfe nicht nur an die Städte gedacht wird. "Die Politik kann nicht wollen, dass alles in die Ballungsräume abwandert."