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Bauen in Trier, Bitburg und Wittlich wird immer teurer

Bauen : Baupreise explodieren: Wer kann sich in der Region Trier noch ein Haus leisten?

Die Nachfrage nach neuen Häusern ist in der Region Trier riesig, Grundstücke sind knapp, Handwerker ausgebucht. Unter 500 000 Euro geht fast nichts. Die gute Nachricht: Es gibt wieder Holz.

Mehr Menschen denn je träumen nach den Erfahrungen aus der Corona-Krise von einem eigenen Haus mit Garten. Allerdings stiegen die Preise dieses Jahr so schnell und so heftig, dass der Traum vom Bauen für manchen platzte. Wie das Statistische Bundesamt kürzlich mitteilte, waren die Kosten rund ums Bauen im August so stark gestiegen wie seit 1970 nicht mehr: Da waren Neubauten plötzlich 12,6 Prozent teurer als noch einen Monat zuvor. Insbesondere, weil die Preise für Holz, Beton, Dämmstoffe oder PVC-Rohre wegen hoher Nachfrage und coronabedingter Lieferengpässe stark gestiegen waren.

Was kostet ein Neubau in der Region Trier?

Makler und Baufirmen aus der Region Trier berichten, dass die Preise für Neubauten ohnehin jedes Jahr um fünf bis sieben Prozent anziehen. Fertighaushersteller sprechen für 2021 im Schnitt  von etwa zehn Prozent Preissteigerung. Zehn Prozent, das bedeutet je nach Haus 30 000 oder 50 000 Euro, die obendrauf kommen – das Aus für manchen Traum.

„Bei einem Stadthaus ist unter 750 000 Euro fast nichts mehr zu machen“, sagt Guido Felten, der beim Immobilienmakler Gilbers und Baasch für Neubauten und Einfamilienhäuser zuständig ist. Wer über ein Budget von „nur“ 500 000 Euro verfüge, der müsse schon irgendwo weit weg auf dem Land nach einem Grundstück suchen.

Selbst dort sind die jedoch Mangelware. „Hier könnten jeden Tag zehn Häuser über den Tisch gehen, aber es gibt nicht die Grundstücke“, sagt Felten. Besonders begehrt sind die Städte Trier, Schweich, Bitburg und Wittlich, aber auch grenznahe Gemeinden an Obermosel oder Sauer.

Trotz der hohen Preise bleiben Nachfrage und Bauboom ungebrochen. Die Zinsen sind weiter niedrig und Immobilien gelten in Zeiten der Inflation als ebenso sichere wie lukrative Geldanlage. Egal ob Einfamilienhaus oder Großprojekt – die Wartelisten der Baufirmen und Fertighausanbieter sind lang.

Hausbau in der Region Trier - abwarten oder loslegen?

„Bauherren sind sind aufgrund der explodierenden Preise sehr verunsichert“, sagt Alexander Schaefer von Zenz Massivhaus. Jetzt bauen? Oder lieber abwarten, in der Hoffnung, dass die Preise sinken? Die Baufirmen und Makler geben auf diese Frage alle die gleiche Antwort: Wer kann, der sollte jetzt sofort bauen. Denn mit sinkenden Kosten rechnen sie nicht. „So schnell kann kein Mensch Eigenkapital aufbauen, wie einem die Preise davonlaufen“, sagt Felten.

Für manchen, der nicht ein ganzes neues Haus, sondern nur einen neuen Dachstuhl benötigt, könnte sich das Warten womöglich aber auch lohnen. Die Holzpreise, die sich im Sommer teils vervierfacht hatten, sind nämlich nach Auskunft von Holzland Leyendecker-Chef Edwin Steffen aktuell im Fall. „Es ist richtig Entspannung eingetreten. Die Lieferketten sind geschlossen“, sagt er. Er rechnet damit, dass im Frühjahr wieder Normalität einkehrt.

Ein Problem bleibt es jedoch für Privatleute, kurzfristig jemanden zu finden, der ihnen das Badezimmer renoviert, ein Vordach baut oder sonstige kleinere Projekte umsetzt.

Wie lange muss man auf Handwerker in Trier, Bitburg und Wittlich warten?

Die Wartezeiten sind erneut deutlich gestiegen. Vor einem Jahr musste man im Schnitt „nur“ 14,3 Wochen warten, wenn man einen Dachdecker, Maurer, Betonarbeiter oder Zimmerer benötigte. Aktuell braucht man laut Matthias Schwalbach, Geschäftsführer und Abteilungsleiter  der Handwerkskammer Trier, 18,4 Wochen Geduld, ehe die Arbeiten losgehen. Mehr als vier Monate...

Auch wer darauf hofft, schnell mal einen Elektriker, Fliesenleger, Maler, Klempner, Heizungsbauer oder Stuckateur zu finden, dürfte enttäuscht werden: Schon 2020 musste man 13 Wochen warten, inzwischen sind es 14,5. „Lehrlings- und Fachkräftemangel sind ein Dauerproblem“, sagt Schwalbach. Auch deshalb, weil viele Fachkräfte nach Luxemburg pendeln, wo sie unterm Strich mehr verdienen.

Viele Handwerker nennen inzwischen gar keine Festpreise mehr, sondern vereinbaren Preisgleitklauseln, um steigende Kosten an die Kunden weitergeben zu können.