Bauern in der Region befürchten Einbußen durch Russland-Sanktionen

Trier · Der im Zuge der Ukraine-Krise entfachte Wirtschaftsstreit nimmt an Schärfe zu. Ab sofort will Russland keine Milch- und Fleischprodukte mehr aus EU-Ländern einführen. Das dürften auch die Produzenten in der Region Trier zu spüren bekommen.

Kein Obst, kein Gemüse, keine Fleisch- und keine Milchprodukte: Auf der jetzt veröffentlichten Boykottliste stehen vor allem Agrarprodukte, die in den nächsten zwölf Monaten aus den EU-Ländern, Amerika, Kanada und Australien nicht mehr nach Russland eingeführt werden dürfen. Eine Reaktion der Moskauer Regierung auf die vom Westen wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen. "Wir mussten antworten", rechtfertigte sich gestern Regierungschef Dimitri Medwedew.

"Der Handel braucht jetzt genau wie die Menschen Sicherheit und Vertrauen. Ziel muss eine schnellstmögliche Beilegung des Konfliktes sein.", forderte die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke. Denn Wirtschaftsexperten sagen, die Sanktionen und Boykotte schadeten allen Seiten. Die EU etwa verliert viele Milliarden aus dem Export von Agrarprodukten nach Russland. Das werde auch Auswirkungen auf die Landwirte in der Region Trier haben, sagt der Vizechef des Bauenverbands Rheinland-Nassau, Michael Horper. "Wenn Russland weniger Milch oder Fleisch nachfragt, sinken die Preise", sagt Horper. Das ist vielleicht gut für den Verbraucher, aber schlecht für die Produzenten, die dann weniger Geld für ihre Milch oder ihr Vieh bekommen.

Die Molkereigenossenschaft Arla machte nach Angaben ihres Sprechers Wolfgang Rommel im vergangenen Jahr zwar 135 Millionen Euro mit dem Russlandgeschäft. Aber ihr Werk in Pronsfeld bei Prüm produziert nicht für den russischen Markt. Der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Matthias Schmitt, hält die regionalen Auswirkungen der bis dato verhängten Sanktionen für überschaubar. Allerdings sei die Verunsicherung bei vielen Unternehmern groß. "Da überlegt sich mancher Firmenchef zwei Mal, ob er eine Maschine bestellt, die erst in einem Jahr fertig ist und dann womöglich unter neu verhängte Sanktionen fällt", sagt der Trierer Kammer-Experte.