Beck-Festspiele

TRIER. Traumergebnis für SPD-Landeschef Kurt Beck: Mit knapp 98 Prozent der Stimmen ist der rheinland-pfälzische Parteichef am Samstag in Trier für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt worden. Der 57-Jährige führt die Landes-SPD seit 1993.

Im Inneren der Arena Trier reiben sich am Samstagmorgen einheimische Delegierte verwundert die Augen. Die Organisatoren des SPD-Landesparteitags haben die Großraumhalle, in der sonst meist Sport- und Kulturveranstaltungen stattfinden, so umfunktioniert, dass man sich kaum noch zurechtfindet: An der Längsseite gegenüber dem Haupteingang ist ein gigantisches Podium für die rund 25-köpfige SPD-Vorstandsriege montiert, darüber zwei riesige Leinwände für die Live-Übertragung des Parteitags. Vor dem Podium stehen Stühle und Tische für die knapp 400 Delegierten; an den Seiten sorgen von den Decken herunterhängende riesige schwarze Tücher für die künstliche Verengung des Saals. Es ist ein Ambiente, wie man es von großen Parteitagen kennt. Perfekt hergerichtet für die Inszenierung des folgenden Polit-Spektakels. Alles bereit für die Beck-Festspiele. Doch der pünktlich auf die Minute erschienene Hauptakteur des Tages lässt sich Zeit. Vor dem Eingang der Arena haben zwei Mitglieder des Deutschen Beamtenbunds dem SPD-Chef ein Protest-Flugblatt gegen die ihrer Meinung nach "unfairen Kürzungen" im öffentlichen Dienst in die Hand gedrückt. Beck redet ein paar Minuten mit den Demonstranten, geht dann zum Haupteingang, um erneut anzuhalten und zwei Türstehern die Hand zu drücken: "Schön, dass Sie heute da sind und schauen, dass es läuft." Vom Haupt- zum Saaleingang sind es nur ein paar Meter. Doch es mögen 50, 60 Hände sein, die der Landesvater auf dieser kurzen Strecke schüttelt; Kurt Beck, der Volkstribun. Besonders herzlich begrüßt er den Trierer SPD-Grandseigneur Karl Haehser und dessen Ehefrau Anita. Oberbürgerkandidat Klaus Jensen heftet seinem Freund Kurt Beck noch rasch seinen Werbebutton, ein rot-weißes Smiley-Gesicht, ans Revers, bevor der Parteitag endlich beginnen kann."Du hast Gewicht verloren, aber keine Substanz"

Es ist der erste Landesparteitag nach der für die Sozialdemokraten sensationell verlaufenen Landtagswahl im März: absolute Mehrheit für die SPD, die nun erstmals ohne kleineren Koalitionspartner in Rheinland-Pfalz regieren kann. Und aus Sicht der Genossen ist klar, wem sie dieses Traumergebnis verdanken. "Es gibt drei wichtige Gründe für unseren Erfolg", stimmt Regionalverbandsvorsitzender Hendrik Hering die knapp 400 Delegierten ein: "Kurt Beck, Kurt Beck, Kurt Beck", ruft Hering, und alle Anwesenden erheben sich von ihren Plätzen. Der Chef winkt, während das Auditorium minutenlang applaudiert - das vorweggenommene Abstimmungsergebnis für die spätere Wiederwahl Becks als SPD-Landesvorsitzender. In seinem beinahe auf die Minute genau einstündigen Rechenschaftsbericht hastet der 57-jährige Pfälzer von Thema zu Thema: Der Mainzer Ministerpräsident, SPD-Bundes- und Landeschef spricht über Trier ("Unsere europapolitische Hauptstadt"), Europa ("Wir brauchen die Verfassung"), Guantanamo ("Unakzeptabel"), Haushaltskonsolidierung, Sozialgesetze, Bundestagswahlen, Ökologie, Hochschulpolitik, Gesundheitsreform, große Koalition und, und, und. Und Kurt Beck sagt, was auch sein Parteivize Hendrik Hering zuvor betont hat: dass sich die Partei angesichts des "hart erarbeiteten Wahlergebnisses" jetzt nicht zurücklehnen und auf den Lorbeeren ausruhen dürfe. Zwischendrin zupft sich der Pfälzer kaum merklich immer wieder am Hosenbund. 15 Kilogramm hat Genussmensch Beck in den letzten Wochen abgespeckt. "Du hast an Gewicht verloren", beruhigt Hering, "aber nicht an Substanz". Das sehen auch die Genossen so. Mit knapp 98 Prozent der (elektronisch abgegebenen) Stimmen wird der SPD-Landesvorsitzende zum siebten Mal seit 1993 im Amt bestätigt. Ein Traumergebnis, nur zwei Zehntelprozentpunkte unter dem vor zwei Jahren. Von Becks Popularität profitieren könnte auch der Trierer Oberbürgermeisterkandidat Klaus Jensen, der sich auf dem Parteitag in einem Grußwort artig für die "Top-Unterstützung durch die SPD" bedankt. SPD-Mitglied Jensen tritt bei der Wahl im September als selbst ernannter unabhängiger Bewerber an, was die örtliche CDU für einen taktischen Schachzug hält. Kurt Beck dagegen freut sich über die Kandidatur seines Freundes und sagte an die Adresse der "lieben Trierer": "Ich werde mit dem wahrscheinlich zukünftigen Oberbürgermeister häufiger in Trier unterwegs sein."