Beck thront wieder über allen

Umfragen haben keine lange Halbwertszeit und sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Mitunter liefern sie allerdings interessante Erkenntnisse. Der "Poli-Trend" des SWR sieht die beiden großen Volksparteien kurz vor der Kommunal- und Europawahl gleichauf liegen.

Die Frage an die Bürger bezog sich jedoch auf deren Meinung mit Blick auf die Landtagswahl, die erst in zwei Jahren ansteht. Wäre sie an diesem Sonntag, bekämen SPD und CDU laut "Poli-Trend" jeweils 36 Prozent. Bei der Landtagswahl 2006 hatten die Sozialdemokraten noch 45,6 Prozent erzielt, die Union nur 32,8. Die FDP läge bei zwölf, die Grünen bei sieben Prozent. Die Linke würde mit fünf Prozent erstmals in den Landtag einziehen.

Es versteht sich von selbst, dass die Parteistrategen solche Nachrichten für sich zu deuten wissen. SPD-Generalsekretärin Heike Raab liest aus den Zahlen ebenso Rückenwind für den Urnengang ab wie CDU-Generalsekretär Josef Rosenbauer.

Das Spannendste an der aktuellen Umfrage sind allerdings nicht die Ergebnisse der Parteien, sondern die ihrer Spitzenrepräsentanten. Ministerpräsident Kurt Beck ist wieder voll da, die Wunden als gescheiterter SPD-Bundesvorsitzender (Rücktritt im September 2008) sind verheilt. 60 Prozent der Bürger (plus drei gegenüber der letzten Umfrage) würden ihn erneut zum Regierungschef wählen. 66 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden (plus vier). Damit ist er mit Abstand wieder der beliebteste Politiker im Land.

Im März 2008 sah die Sache noch anders aus. Damals stürzte der seit 1994 regierende Beck ab und musste hinnehmen, dass sein Gegenspieler Christian Baldauf in der Gunst des Publikums gleichzog. Der Höhenflug des CDU-Partei- und -Fraktionschefs währte aber nicht lange. Ihn sähen nun nur 27 Prozent (minus eins) der Wähler gerne als Ministerpräsident. 28 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden (minus vier). Offenbar schafft Baldauf es nicht recht, Kompetenz zu vermitteln. Allerdings hat er auch noch keinen Wahlkampf geführt, bei dem er sich richtig profilieren konnte. So oder so: Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass es in der Landes-CDU über kurz oder lang erneut Diskussionen über den Spitzenmann geben wird.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort