Bedroht, verfolgt, getötet

Bedroht, verfolgt, getötet

Der Brennpunkt der Christenverfolgung liegt rund viereinhalb Flugstunden von Deutschland entfernt: im Irak. Weltweit werden weit mehr als 100 Millionen Christen verfolgt. Unter dem Titel "Christenverfolgungen heute - kein Medienthema" diskutierten Experten und Betroffene in der Katholischen Akademie Trier.

Trier. Mit 30 Schüssen sei seine Mutter getötet worden; sein Vater und seine Geschwister seien nach Syrien und Australien, er selbst sei über die Türkei nach Deutschland geflohen. Nashwan P. aus Bagdad ist einer von fünf irakischen Christen, die ihre Situation bei der Tagung "Christenverfolgung heute" in der Katholischen Akademie in Trier schildern. Sie seien bedroht worden, berichtet er: "Wir sollten innerhalb von einer Woche unser Haus verlassen." Als Christ könne er im Irak nicht leben. Satjon Y. aus Mossul hat Bruder und Schwager verloren. Um seine Cousins aus den Händen von Terroristen zu befreien, hätten er und andere Geschäftsleute 600 000 Dollar gezahlt. Polizei und Regierung würden nichts tun, um den Christen im Land zu helfen. Auch die Amerikaner bekämen die Lage nicht in den Griff. Rund 1,5 Millionen Christen hätten vor dem Einmarsch der Amerikaner im Irak gelebt, heute seien es noch 500 000, berichtet Berthold Pelster, Leiter von Kirche in Not in Münster.

Indien und Irak sind Brennpunkte



Seit dem Sturz Saddam Husseins würden sie unterdrückt, Hunderttausende seien geflohen. "Irak ist mit Abstand der wichtigste Brennpunkt der Christenverfolgung." In Indien gebe es ähnliche Erscheinungen, sagt Pelster. Rund 25 Millionen Christen lebten dort. Im ostindischen Staat Orissa seien im August mehr als 100 Christen getötet und 1000 verletzt worden. Rund eine halbe Million lebe dort in Flüchtlingslagern. Auch die 60 bis 80 Millionen Christen in China würden diskriminiert, ebenso in Nordkorea und Saudi-Arabien, wo rund eine Million Christen ohne Kirche lebten. Seien es im 20. Jahrhundert große politische Ideologien gewesen, die "Nein" zur Religiosität sagten, würden seit den 90er Jahren verstärkt religiös-ideologische Strömungen für ihren Glauben kämpfen. "Wir müssen lernen, friedlich miteinander zu leben und Unterschiede auszuhalten", fordert Pelster. "Das ist eine echte Herausforderung."

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