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Behinderte fordern ihren Platz mitten in der Gesellschaft

Behinderte fordern ihren Platz mitten in der Gesellschaft

Drei Jahre nach der Anerkennung der UN-Behindertenrechtskonvention durch den Bundestag werden die Forderungen nach einer praktischen Umsetzung lauter. Es geht darum, Menschen mit Behinderung eine umfassende Teilhabe an allen Facetten des gesellschaftlichen Lebens zu ermöglichen.

Schule, Arbeit, Wohnen, Freizeit: Das UN-Abkommen verpflichtet Staat und Gesellschaft, durch aktives Tun dafür zu sorgen, dass Behinderte, die das wollen, Zugang zu allen Bereichen haben - möglichst barrierefrei.

"In der Realität klaffen da riesige Lücken", sagt Ulrike Reichmann, die beim Trierer "Club aktiv" ein Inklusions-Projekt leitet. Inklusion, zu Deutsch: Einschluss - das ist der Fachbegriff für den neuen Umgang mit Behinderten. Bislang konzentriert sich das Angebot eher auf Spezial-Einrichtungen, in denen behinderte Menschen weitgehend unter sich bleiben. "Menschen mit Behinderungen haben ein Recht auf umfassende Teilhabe mitten in der Gesellschaft", fordert Landes-Sozialministerin Malu Dreyer und verweist auf einen rheinland-pfälzischen Aktionsplan zur Inklusion, der 200 konkrete Maßnahmen umfasst.

Der geht aber manchen längst nicht weit genug. Der Elternbeirat für die Region Trier fordert die Einrichtung von "innovativen inklusiven Lernzentren" als Perspektive für die Weiterentwicklung von Realschulen plus zur inklusiven Gesamtschule. Eine konkrete Initiative zur Umsetzung gibt es aktuell in Speicher.

Die Forderung nach der Aufnahme Behinderter in die Regelschulen hat prominente Unterstützer wie etwa die Bertelsmann-Stiftung. Nach deren aktuellen Studien entpuppt sich der vermeintliche Schutzraum für Behinderte oft als Isolationsfalle. "Inklusion wird mittelfristig zur Normalität an deutschen Schulen", sagt Bertelsmann-Vorstandsmitglied Jörg Dräger.

Das sei "notwendig und bezahlbar". Freilich errechnen die Bertelsmann-Experten allein für Rheinland-Pfalz einen Zusatzbedarf von rund 200 Lehrern - ein Kostenfaktor von 14 Millionen Euro.

Ministerin Dreyer sieht noch ein anderes Problemfeld: Die "Barrieren in den Köpfen". Auf dem Weg zur Inklusion bleibe es "eine Herausforderung, alle Beteiligten mitzunehmen".