Bei Ärger: Anruf

MAINZ. (win) Bei Ärger mit dem Pflegedienst, schwer verständlichen Pflegeverträgen oder langen Wartezeiten auf Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen können Betroffene ab sofort ein landesweites Beschwerdetelefon anrufen.

Information und Beratung einholen, aber auch Kritik los werdenkönnen pflegebedürftige Menschen oder Angehörige künftig beimInformations- und Beschwerdetelefon der VerbraucherzentraleRheinland-Pfalz oder den 134 Beratungs- und Koordinierungsstellender örtlichen Sozialstationen. Zwei Jahre lang hatten dieVerbraucherschützer in Mainz modellhaft für die Region einBeschwerdetelefon erprobt und eine große Nachfrage registriert.Obwohl das Telefon nur wenige Stunden wöchentlich geschaltet war,gingen insgesamt 400 Anrufe ein. Überprüfungen ergaben unteranderem, dass die meisten Pflegeverträge nicht mit dengesetzlichen Vorgaben übereinstimmten. Häufiger Anlass für Kritikwaren die bis zu sechs Monate langen Wartezeiten auf Gutachtendes Medizinischen Dienstes zur Pflegebedürftigkeit. In einzelnenFällen stellten sich nach Reklamationen überhöhte und unkorrekteAbrechnungen von Pflegeleistungen durch die Dienste heraus. Nach Angaben von Sozialministerin Malu Dreyer (SPD) hat das Beschwerdetelefon als objektive Anlaufstation in dieser Zeit auch eine "befriedende Wirkung" in Streitfällen entwickelt und geholfen, die Pflegequalität zu verbessern. Die nun landesweite Einrichtung solle allerdings kein Telefon für Motzer und Denunzianten sein, um einen Angriff gegen Pflegedienste oder Träger von Heimen zu starten, stellte sie klar.

Allein 450 Pflegedienste gibt es nach Angaben der Verbraucherzentrale inzwischen im Land. Bei der schwierigen Auswahl des passenden Partners könne das neue Telefon informieren und den rund 130 000 Pflegebedürftigen oder ihren Angehörigen helfen, so Geschäftsführerin Karin Stock. Allerdings gehe es auch um rechtlichen Rat bei der Eingruppierung in die Pflegestufen oder auch um das schwierige Herausfinden von schwarzen Schafen unter den Anbietern. Die Wohlfahrtsverbände selbst haben nach Angaben von Wolfgang Siebner von der Liga der Spitzenverbände ein eigenes Interesse an der Beschwerdemöglichkeit, um Qualitätssicherung zu betreiben. Auch die Pflegekassen engagieren sich bei dem 50 000 Euro teuren Projekt.

Das Beschwerdetelefon der Verbraucherzentrale ist unter 06131/284841 montags bis mittwochs von 10 bis 13 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr besetzt (ansonsten Anrufbeantworter). Ein Faltblatt mit den Telefonnummern der Beratungsstellen bei den örtlichen Sozialstationen kann beim Sozialministerium in Mainz (06131/162016) angefordert werden.