Beim Geld hört die Freundschaft auf

Trier · Im Moment sind viele Griechen auf die deutsche Kanzlerin und deren Landsleute nicht gut zu sprechen. Um gegenzusteuern, gibt es die Deutsch-Griechische Versammlung. Dort wird Graswurzelarbeit geleistet. Auch der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz war mit von der Partie.

Trier. Hans-Joachim Fuchtel hat einen Spezialauftrag, um den den parlamentarischen Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium nicht viele Kollegen beneiden werden. Im Auftrag von Bundeskanzlerin Angela Merkel kümmert sich der CDU-Politiker aus dem Schwarzwald seit Ende vergangenen Jahres um die deutsch-griechische Freundschaft. Die droht ein wenig aus dem Ruder zu laufen, seit die eiserne Kanzlerin die etwas laxeren Hellenen ein ums andere Mal zu Reformen ermahnt und der Regierung in Athen damit droht, den Geldhahn zuzudrehen.
Merkels Parteifreund Hans-Joachim Fuchtel ist so etwas wie das Korrektiv der Kanzlerin. Was die eine möglicherweise an Porzellan zerschlägt, soll der andere wieder kitten. Gemeinsam mit Kommunalpolitikern, Ministeriellen, Vereinsvertretern und Unternehmern ist der Bundestagsabgeordnete Fuchtel immer mal wieder in der griechischen Provinz unterwegs, um bürgerschaftliche Hilfe zu organisieren, wie es offiziell heißt.
Bürgerschaftliche Hilfe - das klingt nach gut gemeinten Ratschlägen unter Freunden, die möglichst nicht viel kosten sollen. Dabei fehlt es nach Meinung vieler Verantwortlicher auch in der griechischen Provinz vor allem an Geld. "Die sind in diesem Punkt sehr offen mit ihren Aussagen: Wir brauchen Geld, und ihr müsst uns helfen", sagt der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz. Der CDU-Politiker war bei der jüngsten Griechenlandreise des Sonderbeauftragten Fuchtel für zwei Tage mit in der Delegation. Es ging nach Veria nördlich von Thessaloniki. Bei einem Empfang des Bürgermeisters forderte ein Vertreter der örtlichen Handelskammer unverblümt, Deutschland möge doch bitteschön Verias Pfirsichproduktion finanziell unterstützen. "Wir sind finanziell auch eher auf der Soll-Seite", entgegnete ihm der Trier-Saarburger Landrat, während ein Bürgermeister-Kollege es weit weniger diplomatisch ausdrückte: "Wir sind auch pleite."
"Der Besuch hat mit dazu beigetragen, dass die Griechen jetzt erkennen, dass die Bäume bei uns auch nicht in den Himmel wachsen", bilanzierte Schartz nach seiner Rückkehr. Das gegenseitige Verständnis sei nun größer.
Und sonst? Man habe über Themen wie Tourismus, Kultur und Energieversorgung miteinander gesprochen, sagt Schartz, auch über den Fachkräftemangel in Deutschland und die Abfallwirtschaft, wo vielleicht ein gemeinsames und von der Europäischen Union gefördertes Projekt möglich sei.
Aber noch, sagt der Trier-Saarburger Landrat, sei das alles Zukunftsmusik. "Viele Folgeaktivitäten laufen ja über die Stiftungen der Parteien."
Der Sonderbeauftragte der Kanzlerin berichtet derweil von ersten Erfolgen seiner Mission: An mehrere deutsche Unternehmen wurden griechische Praktikanten und Auszubildende vermittelt, und erstmals seit zehn Jahren kommen die Griechen wieder zur Agrarmesse Grüne Woche.
Nur mit dem Prospekt eines deutschen Discounters, auf dem griechische Spezialitäten beworben werden und den Hans-Joachim Fuchtel stolz seinen griechischen Zuhörern zeigt, liegt der CDU-Mann ziemlich daneben: Die meisten dort gezeigten Produkte werden von deutschen Firmen in Deutschland hergestellt. sey
Extra

Die Teilnahme von Günther Schartz an der Griechenlandreise des Sonderbeauftragten Hans-Joachim Fuchtel kam auf Vermittlung des Trierer CDU-Bundestagsabgeordneten Bernhard Kaster zustande. Laut Schartz hatte Kaster auch den Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD) gefragt, der allerdings wegen einer Urlaubsreise abgesagt habe. Die Kosten in Griechenland bezahlte nach Angaben von Schartz die Bundesregierung, den Hin- und Rückflug der Kreis Trier-Saarburg. sey

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