1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Bekenntnis zum ländlichen Raum

Bekenntnis zum ländlichen Raum

Die Statistiker des Landesamtes in Bad Ems mögen sich in einigen Bereichen geringfügig irren, aber an der Tendenz ist nicht zu rütteln: Wie überall in Deutschland sinkt auch in Rheinland-Pfalz die Einwohnerzahl, und die Menschen werden älter. Die Politik schmiedet eifrig Konzepte, um den negativen Auswirkungen zu begegnen.

Mainz. Zahlen lügen nicht. Es kommt aber darauf an, wie man sie interpretiert. Die Stadt Trier und der Kreis Trier-Saarburg können auf den ersten Blick froh sein über das, was ihnen die jüngste Bevölkerungsprognose verheißt. Sie schneiden besser ab, als ihnen vor vier Jahren prophezeit worden war, und gewinnen bis 2030 Einwohner hinzu. Trier sogar mehr als alle anderen kreisfreien Städte in Rheinland-Pfalz. Doch auch die Gewinner von morgen sind übermorgen keine.
Die Statistiker kennen die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter (15 bis 44 Jahre), die seit 1997 sinkt und weiter sinken wird. Sie kennen die Geburtenrate, die infolge des "Pillenknicks" Anfang der 70er Jahre einbrach. Sie können recht genau errechnen, wie sich die Bevölkerung entwickelt.
Trier und Trier-Saarburg wird mit Verspätung das gleiche Schicksal ereilen wie die Kreise Bernkastel-Wittlich und Bitburg-Prüm sowie den Vulkaneifelkreis. Insgesamt lebt mehr als eine halbe Million Menschen in der Region. Im Jahr 2060 werden es nur noch 439 000 sein.
Weniger Einwohner, das heißt leerstehende Geschäfte und Häuser, weniger Ärzte, Schulen und Kindergärten. Beinahe noch dramatischer sind die Folgen durch das Älterwerden der Bevölkerung. Die niedrige Geburtenrate und die drastisch gestiegene Lebenserwartung führen dazu, dass der Anteil der unter 20-Jährigen stark sinkt und der Anteil der über 65-Jährigen stark steigt. Dadurch fehlen der Wirtschaft die Fachkräfte und der Rentenkasse die Beitragszahler.
Eine große Aufgabe


Was kann die Politik tun? ."Man kann nicht von heute auf morgen etwas verändern. Das geht nur über Generationen", erläutert Jörg Berres, Präsident des Statistischen Landesamtes. Es sei etwa "eine große Aufgabe, mit familienpolitischen Maßnahmen die Geburtenrate zu erhöhen".
Innen-Staatssekretärin Heike Raab ist überzeugt, dass zumindest das Bewusstsein für den demografischen Wandel in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sehr ausgeprägt sei. "Land, Kommunen, Kammern, Verbände und Unternehmen reagieren mit einer Vielzahl von Maßnahmen."
Die Ergebnisse der Bevölkerungsprognose 2008 seien zum Beispiel in das Landesentwicklungsprogramm eingeflossen, das seitdem den Grundsatz Innen- vor Außenentwicklung festschreibe.
Will heißen: Bevor Fördermittel für neue Baugebiete fließen, wird zunächst die Sanierung der Ortskerne bezuschusst.
Ein Schwerpunkt wird darauf gelegt, attraktive Lebensverhältnisse im ländlichen Raum zu gewährleisten. Raab verweist auf Aktionen wie den Bürgerbus, der mit einem Anruf geordert werden kann, oder das e-Government, bei dem man Verwaltungsgeschäfte per Computer erledigt.
Das Demografieministerium hat nach Workshops festgestellt, "dass die meisten älteren Menschen in ihrem gewohnten Umfeld und zu Hause leben wollen", sagt Staatssekretärin Jacqueline Kraege. Weitere 15 kommunale Workshops sollen folgen.
Grundsätzlich habe das Ministerium mit dem Aktionsplan "Gut leben im Alter" einen Beteiligungsprozess zu den Themen Wohnen, Mobilität, Sicherheit und Generationengerechtigkeit angestoßen. Bei der künftigen Entwicklung gelte es, die Dorfkernerneuerung ebenso zu betrachten wie die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur oder der medizinischen und pflegerischen Versorgung im ländlichen Raum.