Bekifft hinter Gittern: Zahl der Drogenfunde in rheinland-pfälzischen Gefängnissen zugenommen

Bekifft hinter Gittern: Zahl der Drogenfunde in rheinland-pfälzischen Gefängnissen zugenommen

In rheinland-pfälzischen Gefängnissen wird immer öfter Rauschgift gefunden. Dafür gibt es viele Erklärungsversuche. Aber das größte Problem ist wohl, dass viele Häftlinge süchtig sind.

Die Zahl der Drogenfunde in rheinland-pfälzischen Gefängnissen hat sich in den vergangenen vier Jahren mehr als verdoppelt. Das hat das Mainzer Justizministerium auf eine Große Anfrage der CDU-Landtagsfraktion zur Situation im Strafvollzug mitgeteilt. Aber was sind die Gründe für die stark ansteigenden Rauschgiftfunde? Werden hinter Gittern immer mehr Drogen konsumiert? Hat das Suchtpotenzial unter den Gefangenen derart zugenommen? Oder sind schlichtweg die Kontrollen intensiver und besser geworden, wie ein Sprecher des Justizministeriums betont?

Auffällig an den Zahlen ist, dass die Drogenfunde in einigen Justizvollzugsanstalten - etwa der JVA Wittlich - besonders stark angestiegen sind, während in anderen Gefängnissen, darunter die JVA Trier, so gut wie kein Rauschgift gefunden wird. Ganze zwei Drogenfunde gab es laut der Statistik des rheinland-pfälzischen Justizministeriums dort im vergangenen Jahr - halb so viele wie vier Jahre zuvor.

"Natürlich leben auch wir nicht auf einer Insel der Glückseligkeit", sagt die stellvertretende JVA-Chefin Astrid Spira, "aber wir tun alles, um das Einschmuggeln von Rauschgift zu verhindern." So würden Häftlinge und Besucher sehr sorgfältig untersucht, zudem kämen in der JVA Trier häufig Drogenspürhunde zum Einsatz. Da in Trier laut Spira überwiegend Untersuchungsgefangene einsitzen und Häftlinge, die zu relativ kurzen Strafen verurteilt sind, gebe es weniger Lockerungen und damit auch weniger Kontakte nach draußen. "Damit ist die Gefahr auch geringer, dass beispielsweise Drogen von außen ins Gefängnis geschmuggelt werden", sagt Spira.

In der JVA Wittlich gab es im vergangenen Jahr 23 Rauschgiftfunde und damit mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Für den JVA-Leiter und Drogenexperten Jörn Patzak keine Überraschung. Er führt die stark angestiegenen Drogenfunde in der größten rheinland-pfälzischen Justizvollzugsanstalt auf die Schulung der Mitarbeiter zurück. Im Rahmen eines Modellprojekts sei es etwa darum gegangen, wie Rauschgift in die JVA geschmuggelt werde oder wie die Justizbediensteten noch besser erkennen könnten, ob ein Gefangener womöglich Drogen genommen habe. Nach Angaben des Mainzer Justizministeriums ist beinahe die Hälfte aller Häftlinge als süchtig eingestuft. Viele haben demnach ein Alkoholproblem, aber auch Opiate, Cannabis oder Kokain zählen zu den in Freiheit bevorzugt konsumierten Drogen.

Ein besonderes Problem stellen nach Angaben der Gewerkschaft Justizvollzug (BSBD) die neuen psychoaktiven Substanzen (NPS) dar, zu denen etwa auch die sogenannten Legal Highs gehören. "Die auftretenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Ausfallerscheinungen sind besorgniserregend", sagt Landesgewerkschaftschef Winfried Conrad.
Der Rechtsexperte der CDU-Landtagsfraktion, Bernhard Henter (Konz), kündigte derweil an, das Thema Drogen in Gefängnissen im Landtag auf die Tagesordnung zu setzen.

ÜBER 3400 HAFTPLÄTZE IM LAND: In den zehn rheinland-pfälzischen Justizvollzugs- und Jugendstrafanstalten gibt es laut Statistischem Bundesamt 3403 Haftplätze, davon 209 für weibliche Gefangene. Hinzu kommen 68 Plätze im Wittlicher Justizvollzugskrankenhaus. Nach der jüngsten veröffentlichten Statistik waren Ende November 3115 Haftplätze im Land belegt.

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