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Belastung in Gastrobranche nimmt zu

 Selina Mayer, Auszubildende zur Köchin im dritten Lehrjahr, arbeitet in der Küche des Hotels Traube Tonbach. Foto: Sebastian Gollnow/Archiv
Selina Mayer, Auszubildende zur Köchin im dritten Lehrjahr, arbeitet in der Küche des Hotels Traube Tonbach. Foto: Sebastian Gollnow/Archiv FOTO: Sebastian Gollnow
Stuttgart. Viele Beschäftigte in der Gastrobranche in Südwestdeutschland sehen sich laut einer Umfrage mit einer steigenden Arbeitsbelastung konfrontiert. 81 Prozent der Befragten gaben an, dass die Arbeitsbelastung in den vergangenen Jahren zumindest eher angestiegen sei. dpa

„Fast zwei Drittel der Befragten möchten gerne kürzer arbeiten“, sagte der Landesbezirkssekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Alexander Münchow.

Die Gewerkschaft führte die Umfrage im vergangenen Jahr durch, am Donnerstag stellte sie die Ergebnisse vor. Die Befragung lief in den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland Pfalz und im Saarland, etwas mehr als 1000 Menschen antworteten. Die NGG sieht die Branche in einer Krise, der Fachkräftemangel und die hohe Abbrecherquote bei den Auszubildenden seien dabei hausgemacht.

Sie warnt vor einer weiteren Verschlechterung der Verhältnisse, zum Beispiel in Form der möglichen Legalisierung eines Zwölf-Stunden-Arbeitstages. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) hatte zuletzt einen Vorschlag für eine Bundesratsinitiative gemacht. Darin vorgesehen ist eine tägliche Höchstarbeitszeit von zwölf Stunden. Bislang sind zehn erlaubt. Dafür soll die Wochenarbeitszeit aber begrenzt werden. Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) spricht sich für eine Flexibilisierung aus.

Dagegen laufen die Gewerkschaften seit längerem Sturm. „Die Beschäftigten sind mit ihrer Flexibilität am Limit“, sagte der NGG-Landesbezirksvorsitzende, Uwe Hildebrandt. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Martin Kunzmann, wies auf die negativen Folgen für die Work-Life-Balance und die Gesundheit hin.

Die Gewerkschaft Verdi lobte die Landes-SPD: „Wir freuen uns, dass die SPD im Landtag in dieser wichtigen Frage voll und ganz auf der Seite der Beschäftigten steht“, so Landesbezirksleiter Martin Gross. Auf Antrag von Nordrhein-Westfalen beschäftigt sich der Bundesrat am Freitag mit einer Anpassung des Arbeitszeitgesetzes. Damit soll unter anderem Tarifpartnern ermöglicht werden, anstelle einer täglichen Arbeitszeit eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu vereinbaren.

In der Befragung lehnten knapp 70 Prozent der Beschäftigten einen Zwölf-Stunden-Arbeitstag ab. Rund 19 Prozent sprachen sich in der Umfrage dafür aus, sofern die Wochenarbeitszeit nicht steigt. Laut der NGG müsse die Branche dafür sorgen, dass sich die Bedingungen verbessern, dann würden auch wieder mehr Menschen dort arbeiten.

Pressemitteilung der NGG