Beobachten und kontrollieren

Beobachten und kontrollieren

TRIER. Die Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz vor der Blauzungenkrankheit werden vorerst nicht ausgedehnt. In den Niederlanden wird nun die Insektenbekämpfung verstärkt, um die Tierseuche in den Griff zu bekommen.

Ruhe vor dem Sturm? Bis gestern Abend wurden keine neuen Blauzungen-Fälle gemeldet. Experten gehen jedoch davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis weitere Tiere an der Seuche erkranken werden. Bei der EU wartet man erst einmal ab, wie sich die Lage entwickelt. Die 150-Kilometer-Überwachungszone rund um die betroffenen Höfe in Aachen, Düren, Kerkrade und Lüttich bleibt vorerst unverändert. Zunächst wurde erwartet, dass die EU-Kommission die Sicherheitsmaßnahmen erweitert und die Sperrgebiete, in denen der Handel mit Rindern, Schafen und Ziegen stark eingeschränkt ist, erweitert. Das hätte dazu geführt, dass die komplette Region zum Sperrgebiet erklärt worden wäre. Dazu bestehe derzeit kein Anlass, hieß es aus dem Mainzer Umweltministerium. Der Belgische Rundfunk meldete gestern Mittag, dass vermutlich auch Betriebe in Ostbelgien von der Seuche betroffen sind. Dafür gab es aber bis zum Abend keine Bestätigung. In den Niederlanden, wo am vergangenen Donnerstag im Grenzgebiet zu Deutschland die Blauzungenkrankheit auf zwei Schafhöfen ausgebrochen war, dürfen seit heute in Schaf- und Ziegenställen Insektenbekämpfungsmittel eingesetzt werden. Damit soll die Culicoides-Stechmücke, die als Überträger des Virus gilt, bekämpft werden. In Deutschland setzt man hingegen weiter auf Kontrollieren und Beobachten. Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad (SPD) sprach sich ausdrücklich gegen weitere Schritte wie etwa vorbeugendes Impfen von Rindern, Schafen und Ziegen aus. Unterschiedliche Handhabung

Unterstützung erhält sie dabei von ihrer Parteikollegin Monika Fink aus Bitburg. Die Ausweisung von Sperrgebieten sei konsequent und helfe, die für Tiere tödliche Krankheit zu bekämpfen, sagte Fink, agrarpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Doch offenbar gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern, was die Auslegung der Sicherheitsvorkehrungen angeht. Während in Rheinland-Pfalz Viehtransporte aus Beobachtungsgebieten (Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich und Trier) erlaubt sind, heißt es in der Verordnung von Nordrhein-Westfalen, Transporte von Rindern, Schafen und Ziegen aus diesen Gebieten seien verboten. Außerdem gilt dort auch eine Stallpflicht für Wiederkäuer. Die unterschiedliche Auslegung der Schutzvorschriften sorgt für Verwirrung und Ärger bei Landwirten.