Bestattung - Wenn der Tod für Angehörige zu teuer ist

Kostenpflichtiger Inhalt: Wenn der Tod für Angehörige zu teuer ist : Seit mehr als 20 Tagen nicht bestattet: Bitburger will mit öffentlicher Trauerfeier ein Zeichen setzen

Arme Angehörige können sich Begräbnisse für verstorbene Mitmenschen oft nicht leisten. Ein Bitburger Bestatter kämpft mit einer öffentlichen Trauerfeier für sie.

Rainer D. ist am Ende Juli in der Eifel verstorben. Mehr als 20 Tage ist das her. Bestattet ist der Leichnam des Mannes aber noch nicht. „Den Angehörigen fehlt das Geld für die Beerdigung“, sagt der Bitburger Bestatter Hans Steffen mit trauriger Stimme. Nach dem rheinland-pfälzischen Bestattungsgesetz muss ein Mensch in sieben Tagen bestattet sein. Wenn die Angehörigen knapp bei Kasse sind, zahlt das Sozialamt. Aber erst, wenn ein Antrag eingegangen sei, dieser bearbeitet wurde und die Suche nach vermögenderen Erben erfolglos verlief. Das dauere oft Monate. Auf Vorleistungen warteten Bestatter in solchen Fällen meist vergeblich, klagt Steffen. „Bei Angehörigen haben wir dann die Wahl: Schicken wir sie weg oder strecken wir die Kosten auf eigenes Risiko vor.“ Am wichtigsten, so sagt Steffen: „Die Menschenwürde, die auch für Verstorbene gilt, wird völlig missachtet.“

Bereits vor wenigen Wochen klagte der Bitburger darüber im Eifeler Lokalteil des Trierischen Volksfreunds. Nun wandte sich Steffen erneut an unsere Zeitung, weil ihm das Schicksal von Rainer D. keine Ruhe lässt. „Was ich bei dem armen Mensch erlebe, ist ein trauriger Rekord“, sagt Steffen. Der Bestatter will nun ein symbolisches Zeichen setzen. Steffen und seine Helfer laden die Bevölkerung ein, um den Verstorbenen würdevoll zu verabschieden.

Die Trauerfeier sei für Samstag, 31. August, um 12 Uhr in der Trauerhalle des Friedhofs Kolmeshöh in Bitburg geplant. Der Bestatter will Rosen und Aufkleber verteilen, auch an Stern-TV und die Bild-Zeitung hat er Einladungen geschickt. „Auch der Ärmste der Armen hat in der Gesellschaft seinen Beitrag geleistet es und somit verdient, würdevoll beigesetzt zu werden. Das sollte selbstverständlich sein“, schreibt Steffen in einem Aufruf bei Facebook, der bis gestern bereits mehr als 470-mal geteilt wurde. In dem sozialen Netzwerk gibt es reichlich Mitgefühl in den Kommentaren: „Eine Armen-Bestattung ist das Minimum an Anstand“, heißt es dort. Auch Kritik an der lokalen Verwaltung wird laut.

Ulrike Grandjean, Landeschefin des Bestatterverbandes, kennt solche Geschichten auch aus Trier. „Wir haben oft Fälle erlebt, in denen wir auf den Kosten sitzengeblieben sind, die wir vorgestreckt haben.“ Dabei gehe es um Beträge von bis zu 2500 Euro. Werde vom Sozialamt ein Antrag abgelehnt, die Bestattungskosten zu übernehmen, sei es schwer, das Geld von Angehörigen zu bekommen. „Oft sind sie zu arm, um die Bestattung zu bezahlen. Und mental sind viele Menschen nach einem langen, zermürbenden Kampf mit Behörden nicht wer gewillt, die Kosten zu übernehmen oder gegen die Entscheidung zu klagen.“

Ein Teufelskreis, sagt Grandjean. „Für uns als Bestatter ist das auch eine moralische Frage: Schicken wir bedürftige Angehörige einfach weg und lassen sie auf der Straße stehen? Oder geben wir ihnen auf eigene Kosten die Chance, Abschied von ihren geliebten Verstorbenen nehmen zu können?“ Vom Sozialamt habe sie dann schon mal den Satz gehört, es sei ihr unternehmerisches Risiko. Die Bestattungsfrist in Rheinland-Pfalz von sieben auf zehn Tage zu verlängern, wie es die Ampelkoalition in Mainz plant, helfe da nicht. „Es dauert oft Monate, bis die Ämter die Anträge bearbeitet haben.“ Die Verlängerung helfe wiederum Angehörigen, die deutschlandweit verstreut seien, um eine Beerdigung vernünftig planen zu können. Doch bedürftige Familienmitglieder könnten die Bestattung oft eben nicht bezahlen. „Das ist traurig“, sagt Grandjean.

Das Bitburger Ordnungsamt äußerte zuletzt Widerspruch auf Steffens Kritik, dass es Beiträge nicht vorstrecke, wenn ein Angehöriger kurzfristig nicht greifbar sei. Laut dem Sozialgesetzbuch übernimmt der Staat die erforderlichen Kosten einer Bestattung, „soweit den hierzu Verpflichteten nicht zugemutet werden kann, die Kosten zu tragen“, teilt die Stadt Trier mit. Vorgesehen sei dann eine Bestattung „einfacher, aber würdiger Art“. Nicht dazu gehörten jedoch Kosten für die Traueranzeige, Blumenschmuck, Dekoration und das Bereitstellen einer Musikanlage.

Ein Sprecher der Stadt sagt, das Bearbeiten eines Antrags könne eine Woche brauchen – oder Monate. Bei großen Familien dauere es, bis alle das Erbe ausgeschlagen hätten. 90 Anträge wurden im vergangenen Jahr an die Stadt Trier gestellt, die 146 171,70 Euro an Bestattungskosten übernahm. Beim Kreis Bernkastel-Wittlich landeten 42 Anträge. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm, der mehr als 31 000 Euro bezahlte, waren es 28.

Ulrike Grandjean kritisiert einen kommunalen Flickenteppich, bei dem Ämter die Kosten mal vorstreckten, mal nicht, mal rasch prüften, mal lange brauchten. Hans Steffen will sich nun wehren. Durch die öffentliche Verabschiedung von Rainer D. solle ein deutliches Zeichen gesetzt werden, sagt er und ist empört: „So kann man mit Menschen nicht umgehen.“

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