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Bewegungen am Hahn: Verantwortliche des Flughafens trotz der Rückschläge optimistisch

Bewegungen am Hahn: Verantwortliche des Flughafens trotz der Rückschläge optimistisch

Während einige am Flughafen Hahn ansässige Unternehmen aufgrund des rückläufigen Flugbetriebs offensichtlich um ihre Existenz fürchten, übt sich das Flughafenmanagement in Durchhalteparolen.

Von Chaos ist die Rede. Von Missmanagement. Hilflosigkeit. Unwissenheit. Unprofessionalität. Wer mit Verantwortlichen von auf dem Hahn ansässigen Firmen spricht, der bekommt derzeit wenig Gutes über das Flughafenmanagement zu hören. Bei einigen herrscht derzeit offenbar Existenzangst. Denn viele Unternehmen sind abhängig vom Flugbetrieb. Und weil dieser seit Jahren eher rückläufig ist, fürchten einige Firmen den Gang zum Insolvenzrichter.

Den hat das vor 15 Jahren am Hahn gegründete Unternehmen AirRep Germany bereits hinter sich. Am 30. April hat Geschäftsführer Markus van Wickeren Insolvenz für seine Firma angemeldet. Van Wickeren wollte sich gegenüber dem Volksfreund nicht äußern. Er gehörte im Januar 2013 zu den Mitunterzeichnern eines Briefs an Ministerpräsidentin Malu Dreyer. 72 Chefs von am Hahn ansässigen Unternehmen kritisierten die damals drohende, mittlerweile vollzogene Entlassung des damaligen Hahn-Geschäftsführers Jörg Schumacher. Sie befürchteten einen "nicht wiedergutzumachenden Schaden".

AirRep Germany beschäftigt 17 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist unter anderem für die Verpflegung der Passagiere der sechs auf dem Hahn stationierten Maschinen der irischen Fluggesellschaft Ryanair zuständig. Und auch für den Bordproviant der Crews von Frachtmaschinen. Und genau das ist nach TV-Recherchen auch der Grund für die finanzielle Schieflage von AirRep Germany. Mitte März kündigte die chinesische Frachtfluggesellschaft Yangtze River Express überraschend an, den Hahn Richtung München zu verlassen. Damit verlor der Flughafen Hahn auf einen Schlag nicht nur über ein Drittel seines jährlichen Frachtgeschäftes. AirRep ging wohl auch ein guter Auftrag verloren. Neunmal flog die Gesellschaft pro Woche den Hahn an, bis zu acht Crewmitglieder pro Flug mussten versorgt werden.

Anderer Versorger an Bord

AirRep Germany steht nicht zum ersten Mal vor der Pleite. Bereits Ende vergangenen Jahres wurde Mitarbeitern gekündigt. Im Januar hat van Wickeren dann als Gesellschafter das Unternehmen übernommen. Wohl noch in der Hoffnung, einziger Caterer am Hahn zu bleiben. Doch zeitgleich hat das Flughafenmanagement wohl einen Vertrag mit einem anderen Caterer geschlossen. "Konkurrenz gehört zum Geschäft dazu", kommentiert Flughafensprecherin Hanna Koch knapp die Situation.

Wenig Konkurrenz hat der Hahn hingegen beim Flugbetrieb. Ryanair ist der einzige ernstzunehmende Passagierflieger. Zumindest bei der Zahl der Fluggäste scheint der Abwärtstrend gestoppt zu sein. Von Januar bis März stieg sie um knapp 16 Prozent auf 466.616. Auch das Frachtfluggeschäft auf dem Hahn läuft mittlerweile unfreiwillig fast konkurrenzlos. Neben Yangtze River Express hat Ende vorigen Jahres auch die Air Cargo China nach noch nicht einmal drei Monaten den Hahn wieder verlassen. Beide Male wurde das Flughafen-Management erst kurz vorher von den Gesellschaften darüber informiert.

Trotz alledem gibt man sich auf dem Hahn optimistisch. Man setze weiterhin auf Wachstum in der Fracht, verkündet Sprecherin Koch. Dazu habe man die Vertriebsabteilung neu aufgestellt und die bisher zusammenliegenden Schwerpunkte Fracht und Passage aufgeteilt. Der bisherige Vertriebschef kümmere sich ausschließlich um Fracht, ein zusätzlich eingestellter Vertriebsmitarbeiter sei für den Passagierbereich zuständig. Es würden ständig Gespräche mit bestehenden und neuen Kunden geführt, versichert die Flughafensprecherin. Auch mit der Air Cargo China sei man weiter im Gespräch. Nachdem Yangtze River Express angekündigt habe, den Hahn zu verlassen, habe man auch mit den Verantwortlichen dieser Gesellschaft gesprochen. Der Weggang des Frachtfliegers hat laut Koch nicht nur AirRep Germany schwer getroffen, sondern "alle hier am Standort". Trotzdem glaube man an die positive Entwicklung am Hahn, verkündet die Sprecherin. "Auf diesem Weg wird es immer wieder Rückschläge geben."

Für den Vize der CDU-Landtagsfraktion, Alexander Licht, ist die Entwicklung der vergangenen Wochen symptomatisch "für den Sinkflug am Hahn". Die Ursache sieht er in der Plan- und Konzeptlosigkeit der Landesregierung. "Seit Jahren werden Konzepte für den Aufschwung und Investoren versprochen. Stattdessen wird die Lage immer schwieriger", sagte Licht unserer Zeitung.