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Big Brother in der Arztpraxis

Big Brother in der Arztpraxis

Der Schutz sensibler Patientendaten spielt bei der Digitalisierung eine immer größere Rolle. Mediziner und Krankenkassen müssen sich an strenge Regeln halten.

Der Mann wundert sich, warum die Frau am Empfang einer Zahnarztpraxis in der Region seinen Ausweis ohne ihn zu fragen einscannt oder kopiert. Die Daten würden digital abgespeichert werden, soll sie dem Mann, der sich als Privatpatient dort behandeln ließ, geantwortet haben. Das sei Bedingung für die Behandlung. Der Mann hat sich daraufhin an den Datenschutzbeauftragten des Landes und die Bezirkszahnärztekammer gewandt. Auf TV-Anfrage bestätigen beide, von dem Vorfall zu wissen und davon auch überrascht zu sein. Es sei unüblich, dass überhaupt Ausweise von Patienten verlangt würden, sagt Peter Mohr, Vorsitzender der Kammer. Und Dieter Kugelmann, der Landesdatenschutzbeauftragte, weist daraufhin, dass es grundsätzlich verboten ist, Ausweise einzuscannen und auch das Kopieren der Dokumente nicht ohne weiteres erlaubt sei. Ausweisdaten dürften nicht von Unbefugten, also auch Ärzten, digital abgespeichert werden.

Es gebe keine Dienstanweisung, dass die Ausweise von Patienten eingescannt werden, heißt es seitens der betreffenden Praxis. Man behalte sich aber vor, die Identität der Patienten durch Vorlage "geeigneter Legitimation" zu überprüfen. Begründet wird dies mit einem "immensen wirtschaftlichen Schaden" durch nicht bezahlte Rechnungen von Privatpatienten. Um dem vorzubeugen, würden die Patientendaten erfasst und teilweise auch kopiert, so ein Vertreter der Klinik.

Datenschützer weisen aber ausdrücklich daraufhin, dass Daten, die nicht zur Identifizierung benötigt werden, etwa die auf dem Ausweis aufgedruckte Zugangs- und Seriennummer, von den Betroffenen auf der Kopie geschwärzt werden sollen. Und: Die Kopie müsse unverzüglich vernichtet werden, "sobald der mit der Kopie verfolgte Zweck erreicht ist".

Gerade in Arztpraxen, wo es um sensible Patientendaten gehe, müsste ein besonderes Augenmerk auf die Datenschutzbestimmungen gelegt werden sagt Kugelmann.
Datenschutz im Gesundheitswesen gewinnt gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung zunehmend an Bedeutung. "Der berufliche Einsatz von IT in der Arztpraxis ist dabei aus datenschutz-, straf und haftungsrechtlichen Gründen besonderen Anforderungen unterworfen", heißt es auf der Seite des Landesdatenschutzbeauftragten.

"Bei Gesundheitsdaten sprechen wir von äußerst sensiblen Daten. Hier muss klar sein, dass der Patient alleine Herr seiner Daten ist und niemand ohne seine Erlaubnis darauf zugreifen kann", sagt Jörn Simon, Landeschef der Techniker Krankenkasse (TK). Allerdings wird gerade den Krankenkassen vorgeworfen, mit ihren digitalen Zusatzangeboten wie etwa Fitness-Apps für Smartphone zu versuchen - Simon spricht von "digitalen Helfern" - Versichertendaten abzugreifen. Auch darauf der hat der Landesdatenschutzbeauftragte ein Auge, Gesundheitsinformationen dürften nicht ohne Zustimmung preisgeben werden.

Der TK-Landeschef glaubt, dass die digitale Nutzung von Daten im Gesundheitswesen erst am Anfang steht. "Die nächste medizinische Revolution wird kein einzelnes Medikament sein. Sie wird in der klugen, sicheren und sinnstiftenden Zusammenführung und Nutzung von Daten bestehen." So ließen sich etwa Prognosen über die gesundheitliche Entwicklung eines Patienten machten, falls er das wünsche, etwa wie hoch das Risiko sei, in den nächsten zwölf Monaten an Diabetes zu erkranken. Die intelligente Datennutzung habe großes Potenzial, die Qualität der Gesundheitsversorgung zu verbessern.