Bildung global

TRIER. Stell dir vor, es ist Uni, und keiner geht hin: Mit den Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung auf die rheinland-pfälzischen Hochschulen beschäftigte sich Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner in einem Vortrag an der Universität Trier.

Kürzere Ausbildung, lebenslange Weiterbildung und ein international konkurrenzfähiges Angebot: In den kommenden Jahrzehnten sollen sich die rheinland-pfälzischen Hochschulen nach Ansicht von Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner grundlegend umorientieren. "Wir werden schon in fünf Jahren, spätestens in zehn, einen Weltmarkt der Bildung haben", prognostizierte der Minister. "Die Konkurrenzfähigkeit der Angebote wird die Struktur von Hochschulen bestimmen."Sorgen bereiten den Bildungspolitikern die sinkenden Bevölkerungszahlen in Rheinland-Pfalz, in Deutschland und in der Europäischen Union. "Im Jahr 2050 werden in Rheinland-Pfalz wesentlich weniger und im Durchschnitt ältere Menschen leben als heute", erklärte Ludwig Böckmann vom Statistischen Landesamt. In der Gruppe der 19- bis 25-Jährigen werde ein Rückgang zwischen 18 und 32 Prozent zu verzeichnen sein - der Altersgruppe, die den Großteil der Studienanfänger stelle.Trotzdem ist die Vorhersage von Studentenzahlen ein schwieriges Geschäft: Auch die Studierfreudigkeit eines Jahrgangs spielt eine Rolle und der Anteil an nicht-heimischen Studenten. Mehr als die Hälfte der Erstsemester der rheinland-pfälzischen Hochschulen kommen nicht aus dem Land: 40 Prozent haben in anderen Bundesländern ihr Abitur abgelegt, 15 Prozent sind aus dem Ausland, meist aus Europa. Auch in diesen Regionen nimmt die Zahl der möglichen Studenten ab. Böckmann: "Darauf werden sich die Hochschulen einstellen müssen." Damit die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Gesellschaft erhalten bleibt, will Zöllner die Primärausbildung verkürzen und die Akademiker im Laufe ihres Berufslebens zur Weiterbildung wieder an die Hochschulen holen. "Die Ausbildungsbiographie des einzelnen muss völlig anders werden", forderte er und nannte als Lösung das von ihm propagierte Bachelor-Master-System, bei dem Studenten bereits nach einem sechssemestrigen Studium einen ersten Abschluss erwerben können. Um Personen zu erreichen, die sich kein Vollzeit-Studium leisten können, forderte Zöllner den weiteren Ausbau von Fernstudiengängen, insbesondere über das Internet.Trotz Bevölkerungsschwunds will der Wissenschaftsminister das Bildungsangebot der Hochschulen nicht zurückfahren. Zu berücksichtigen sei der hohe Anteil an Menschen aus dem Ausland, die zum Studium nach Deutschland kommen. "Wir müssen hoch qualifizierte Leute mit gezielter Migrationspolitik hier binden", forderte der Minister. "Wir werden nur eine Chance haben, wenn wir von vorne herein ein hochqualitatives Angebot haben."Ändern müsse sich auch die in Artikel 115 des Grundgesetzes festgeschriebene Bevorzugung von Sachausgaben. Zöllner: "Im Zweifelsfall ist es möglich, dass eine Straße gebaut wird, nicht aber, dass ein Wissenschaftler eingestellt wird."