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Bio boomt – Jeder Zweite kauft Öko-Lebensmittel

Kostenpflichtiger Inhalt: Ernährung : Bio boomt – Jeder Zweite kauft Öko-Lebensmittel

Sie schonen die Natur, beruhigen das Gewissen und sind inzwischen überall zu haben: Biolebensmittel sind gefragt wie nie. Die Branche verzeichnet Rekord-Umsätze.

Insekten sterben, Biotope verschwinden, Nitrat sickert ins Grundwasser, Regenwald wird gerodet, Zuchtsauen leiden in engen Kastenständen, und der Planet Erde wird wärmer und wärmer. Themen, die vor einigen Jahren nur klassische „Ökos“ wirklich interessierten, sind heute mitten in der Gesellschaft angekommen. Auch das dürfte erklären, warum immer mehr Menschen sich für ökologisch erzeugte Produkte entscheiden. Das aktuelle Ökobarometer der Bundesregierung zum Konsum von Biolebensmitteln in Deutschland zeigt, dass inzwischen jeder zweite Bundesbürger angibt, regelmäßig Bioprodukte zu kaufen – 2018 waren es nur 28 Prozent.

Eine enorme Steigerung, die wohl auch damit zu tun hat, dass Ökoprodukte inzwischen überall zu haben sind – im Bioladen, im Supermarkt und auch beim Discounter –  in stetig wachsender Vielfalt. „Wir erreichen so auch viele Kunden, die nicht schon seit 15 Jahren in den Bioladen gehen“, sagt Regino Esch aus der Nähe von Prüm, Landesvorsitzender des Bioland-Verbands. Ein Verband, dessen Produkte seit 2018 auch bei Lidl in den Regalen liegen, was intern für heftige Diskussionen gesorgt hatte. Die Erfahrungen, die man bisher damit gemacht habe, umschreibt Esch allerdings als rundum positiv. Allein 120 Milchbauern hätten so auf Bio umsatteln können. „Jeder Hektar, der umgestellt wird ist eine gute Sache, wenn wir an Insekten oder das Trinkwasser denken“, findet Esch.

Mehr als 90 Prozent der befragten Bürger geben an, in Zukunft zumindest ab und an  zur Biovarian­te greifen zu wollen. Tendenz: steigend. Das gilt auch für den Umsatz, den die Branche nach Auskunft des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft inzwischen macht: Dieser lag 2019 bei fast zwölf Milliarden Euro. Ein Plus von knapp zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Noch einen weiteren Trend bestätigt das Barometer: Fast 80 Prozent der Befragten finden regionale Lebensmittel besonders wichtig.

Aber was ist mit den Pionieren der Branche? Mit den klassischen Bioläden? Profitieren die denn auch von der Entwicklung? „Ja, das kommt auch bei uns an“, sagt Petra Altmeyer-Manz von Knospe Naturkost in Konz. Bioläden böten aber auch eine ganz andere Art von Bioprodukten: „Wir setzen stark auf Regionalität, auf kleine Betriebe. Bio aus Südeuropa ist nicht unser Ziel“, sagt Altmeyer-Manz, die Bedarf für noch mehr regionale Bio-Produkte sieht. Die Politik müsse noch mehr tun, um Bauern bei der Umstellung zu helfen.

In Rheinland-Pfalz bewirtschaften inzwischen rund 1600 Biobetriebe 10,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch. Die Öko-Fläche ist damit laut Mainzer Umweltministerium fast doppelt so groß wie noch im Jahr 2010.

Laut Deutschem Bauernverband können sich mehr als 18 Prozent der Bauern vorstellen, zum Ökolandwirt zu werden. Nur drei Prozent sind allerdings fest dazu entschlossen. Der frisch wiedergewählte Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, Michael Horper, warnt seine Berufskollegen allerdings davor, Flächen zu extensivieren, nur um höhere Prämien zu kassieren. „Wir brauchen die Lebensmittelproduktion“, sagt er.

Warum in der Region nicht noch mehr Bauern auf Bio umsteigen, lesen sie hier im Hintergrund.