1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Bischof noch ohne "Vision für Kirche"

Bischof noch ohne "Vision für Kirche"

Kleriker und Laien diskutieren vier Tage lang in Trier über die Zukunft ihrer Kirche. Bischof Stephan Ackermann legte Themen vor, Sachkommissionen werden gebildet. Einer der 280 Berater des Bischofs zu sein, kann anstrengen - die Jüngste und der Älteste berichten.

Trier. Carolin Müller (20) hätte am 1. Mai wandern oder ins Kino gehen können, doch die junge Theologiestudentin aus Bekond sitzt mit 280 Synodalen an einem der langen Tische in der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin. So wie allen Klerikern und Laien, aus denen die Synode besteht, ist es ihr wichtig, den Bischof zu beraten, wie Kirche im Bistum Trier im 21. Jahrhundert aussehen könnte. Das ist das Ziel der Synode - die erste katholische in Deutschland seit 24 Jahren, im Bistum Trier seit fast 60 Jahren.
"Manchmal wird zu viel geredet, und ich wünsche mir, dass man schneller zur Sache kommt", sagt die junge Katholikin am zweiten Versammlungstag. Die Themenflut sei kaum zu bewältigen. Demokratische Grundsätze fordern Zeit und ihren Tribut von den Synodalen: Anträge, Gegenreden, Abstimmungen, zig Wortmeldungen, auf die der Bischof einzeln eingeht. Schlagworte tauchen auf und mit dem nächsten Redebeitrag wieder unter.
Mehr Klarheit bringt dann die Vorstellung der Themen, zu denen der Trierer Bischof beraten werden möchte (siehe Extra). Danach wird wieder eifrig diskutiert. "Die Ökumene fehlt", kritisiert ein Synodaler.Hunderte Rückmeldungen


Der Bischof erklärt: "Ich habe mir die Themen nicht alleine ausgedacht." Er habe sich an den rund 500 Rückmeldungen aus dem Bistum Trier orientiert, "es sind Themen, die auf den Nägeln brennen." Synodenteilnehmer Manfred Grüter wünscht sich die Kirchenvision des Bischofs als Arbeitsvorlage. "Ich habe keine umfassende Vision. Wenn ich die hätte, hätte ich keine Synode einberufen", entgegnet der Bischof.
Spontanen Beifall gibt es für Ackermann, als er sagt: "Es gibt einzelne Dinge, die ich sehe, und ich sage ganz ehrlich, zu meiner Vision der Kirche des 21. Jahrhunderts gehört das synodale Element." Die Synode floppe, wenn in ihrem Verlauf keine Vision für Kirche im Bistum Trier gemeinsam entwickelt werde.
Carolin Müller sagt an diesem Vormittag nichts, auch der älteste Teilnehmer, Monsignore Günther Becker (84), schweigt. "Es ist anstrengend", sagt er. Einerseits begrüße er die engagierten Redebeiträge, andererseits sei die Flut an Themen kaum zu fassen. "Vielleicht hat es mit meinem Alter zu tun?", mutmaßt der Geistliche aus Bad Kreuznach. Doch die über 60 Jahre jüngere Carolin Müller empfindet es ähnlich. Einig sind sich beide auch, dass es ebenso spannend wie schwierig ist, rund 300 verschiedene Menschen und ebenso viele Meinungen und Ziele unter einen Hut zu bringen.
Handfester ist der weitere Verlauf der Vollversammlung: Zehn Sachkommissionen werden gebildet - meist einstimmig. Sie sollen Vorlagen erarbeiten. Überraschend beschließt die Synode am Freitagabend mit knapper Mehrheit sogar eine nicht vorgesehene Kommission "Wandel der Geschlechter". Heute, am letzten Tag der Vollversammlung, geht die Arbeit der Synodalen weiter. Die nächste der noch drei ausstehenden Vollversammlungen ist im Oktober im Saarland.
"Es bleibt spannend", sagt Carolin Müller. "Ich hoffe, dass am Ende der Synode auch steht, dass es um die Menschen in den Gemeinden geht", nennt Becker sein Herzensanliegen. Sein Ziel ist eines von 280 weiteren, die für die Synode formuliert worden sind.Extra

Zu diesen neun Themen wünscht Bischof Stephan Ackermann Beratung: 1. Diakonisches Wirken 2. Missionarisch sein 3. Die Zukunft der Pfarrei 4. Katechese 5. Den Glauben an vielen Orten leben lernen 6. Sonntag und Gestaltung des Sonntagsgottesdienstes 7. Persönliches und gemeinschaftliches Beten und die Vielgestaltigkeit gottesdienstlicher Feiern 8. Die Vielfalt der Charismen von Männern und Frauen entdecken und wertschätzen 9. Die Entwicklung der Rätestruktur. Dass Konfliktthemen wie Zölibat, wiederverheiratete Geschiedene oder Frauen als Priesterinnen nicht zu den vorgelegten Themen gehören, hat einen Grund: "Die Synode konzentriert sich auf das, was im Bistum gestaltet werden kann", hatte der Bischof vor Synodenbeginn erklärt. Ergänzend zur Synode geht es in öffentlichen Foren im Robert-Schuman-Haus in Trier um die Themen: Geschieden - Wiederverheiratet (13./14. Juni 2014), Frauen und Ämter in der Kirche (6./7. Februar 2015) und Fragen der Sexualmoral (24./25. April 2015). kat