Katholische Kirche: Bischof segnet Neuzuschnitt ab

Katholische Kirche : Bischof segnet Neuzuschnitt ab

Stephan Ackermann hat noch kleine Korrekturen bei den künftigen Großpfarreien vorgenommen.

Glaubt man der am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung des Bistums, hat es sich der Trierer Bischof Stephan Ackermann mit der von ihm jetzt abgesegneten Fassung des Neuzuschnitts der Pfarreienlandschaft nicht leicht gemacht. Der Bischof habe in seinem Arbeitszimmer Karten aufgehängt, heißt es da, und sei mit dem Onlinekartendienst Googlemaps durch die Räume „gefahren“, um die Wege nachzuvollziehen, die sich für die Gläubigen in den neuen Zuschnitten ergeben. Eigentlich schade, dass das Bistum kein Foto davon mitgeliefert hat, wie der Bischof virtuell eine der zukünftigen Großpfarreien nach der anderen „abfährt“.

Stephan Ackermann muss lange „unterwegs“ gewesen sein. Denn ab dem Jahr 2020 wird es in Deutschlands ältestem Bistum nur noch 35 XXL-Pfarreien geben, die im offiziellen Sprachgebrauch aber natürlich anders heißen: „Pfarreien der Zukunft“, kurz PdZ. Das klingt positiv und vorausschauend – und ist es wohl auch. Denn auch in anderen deutschen Bistümern haben die Bischöfe längst ähnliche Prozesse angeschoben, um der zurückgehenden Zahl von Gläubigen und Priestern Rechnung zu tragen.

Im Bistum Trier  gibt es derzeit noch 887 Pfarreien, die in 172 Pfarreiengemeinschaften organisiert sind. Rein rechnerisch werden für die neuen Großpfarreien jeweils fünf Pfarreiengemeinschaften zusammengefasst. An der Zahl 35 hat sich gegenüber der letzten Planung im November nichts mehr geändert, am Zuschnitt einiger weniger XXL-Pfarreien schon. So wird in der Region Trier die Pfarrgemeinde Binsfeld künftig nicht zur Groß­pfarrei Wittlich gehören, sondern zu Bitburg. Die Kirchengemeinden Waxweiler und Lambertsberg sollen der  Großpfarrei Prüm (statt Neuerburg) zugeschlagen werden. Und die Pfarreiengemeinschaft Mittlere Mosel mit den Orten Traben-Trarbach, Enkirch, Kröv, Reil und Kinheim wird der Großpfarrei Wittlich (statt Bernkastel-Kues) zugeordnet.

Bischof Stephan Ackermann ist voll des Lobes über die Vorarbeit der Teilprozessgruppen und Räte. Die Zahl 35 sei plausibel, wird der 54-Jährige in der Pressemitteilung zitiert. „Dieser Raumzuschnitt lässt uns auf die Zukunft hin handlungsfähig bleiben und kann ein Grundgerüst für eine Neuausrichtung des kirchlichen Lebens sein, wie es der Synode vorschwebt.“ Aus der Synode, dem Beratungsgremium des Bischofs, das bis Mai 2016 getagt hat,  ist der Neuzuschnitt als Teil eines Reformpakets hervorgegangen.

Die jetzt vom Bischof abgesegnete Karte ist Grundlage für das sogenannte Anhörungsverfahren, bei dem etwa die Räte vor Ort sich zu den Plänen äußern können. Die Anhörung beginnt Anfang nächsten Jahres und dauert ein halbes Jahr. Anfang 2020 sollen die vom Bistum so genannten neuen Pfarreien der Zukunft dann an den Start gehen.

Bis dahin soll auch geklärt sein, wie die zukünftige Rätestruktur in den Pfarreien der Zukunft aussieht, wo der jeweilige Pfarrort ist  und was mit den Vermögen der Altpfarreien passiert. Die Prümer Initiative Kirchengemeinde vor Ort, der sich nach eigenen Angaben mehr als 200 Pfarreien angeschlossen haben, will, dass die  jetzigen Pfarreien mit ihren Vermögen auch unter dem Dach der  Großpfarreien erhalten bleiben können. Eine breite Ablehnung sei immer noch möglich, sagt deren Sprecher Helmut Baltes. Der Katholikenrat, das höchste Laiengremium im Bistum, ist mit der Reform zufrieden. „Das ist zukunftsweisend“, bilanziert der Vorsitzende Manfred Thesing.

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