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Bischofskonferenz sucht neuen Vorsitzenden: Drei Trierer Bischöfe im Kreis der Favoriten

Bischofskonferenz sucht neuen Vorsitzenden: Drei Trierer Bischöfe im Kreis der Favoriten

Wer beerbt Erzbischof Robert Zollitsch als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz? Am Mittwoch steht der Nachfolger fest. Zum Kreis der Favoriten gehört auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann.

Fast könnte man glauben, der Trierer Oberhirte sei abgetaucht. Seit Stephan Ackermann sich vor einigen Wochen - für katholische Verhältnisse ungewohnt liberal - über das Thema Sexualmoral geäußert und damit für reichlich Wallung gesorgt hat, ist es still geworden um den 50-Jährigen. Wer in Ackermanns Pressestelle für ein Interview oder auch nur ein Hintergrundgespräch anfragt, bekommt zu hören, der Bischof wolle sich derzeit nicht äußern.

Die Frage ist, ob es wirklich nur daran liegt, dass Ackermann nach dem ungewöhnlich großen und teils kritischen Echo auf sein "Moral-Interview" es nun erst einmal etwas ruhiger angehen lassen will. Oder ob der ehrgeizige Trierer auf Tauchstation geht, um nicht den Eindruck zu erwecken, er wolle sich im Vorfeld wichtiger Personalentscheidungen ins Gespräch bringen.

Eine dieser wichtigen Personalentscheidungen in der katholischen Kirche steht unmittelbar bevor. In der nächsten Woche entscheiden die 66 deutschen Bischöfe und Weihbischöfe auf ihrer Frühjahrsvollversammlung in Münster, wer ihr neuer Vorsitzender und damit Nachfolger von Erzbischof Robert Zollitsch wird.
Der 75-jährige Freiburger muss das Vorsitzendenamt nach sechs Jahren an der Spitze aus Altersgründen abgeben.

Wer Zollitsch in dieser Funktion folgt, ist noch völlig offen. Allerdings gibt es mehrere Bischöfe, denen gute Chancen eingeräumt werden und die (zumindest teilweise) Ambitionen haben sollen. Drei der als Zollitsch-Nachfolger gehandelten Kirchenmänner haben sogar Trier-Bezug: der amtierende Bischof Stephan Ackermann (50), sein Vorgänger, der Münchner Kardinal Reinhard Marx (61), und der ehemalige Trierer Weihbischof und jetzige Bischof von Münster, Felix Genn (64).

Dass Reinhard Marx auf der imaginären Kandidatenliste steht, kann nicht überraschen. Der gebürtige Westfale gehörte schon bei der vergangenen Wahl im Februar 2008 zum Kreis der Favoriten, musste aber letztlich im dritten Wahlgang dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch den Vortritt lassen. Inzwischen ist der Münchner Kardinal selbst ein alter Haudegen im deutschen Episkopat und verfügt zudem über gute Beziehungen nach Rom. Papst Franziskus berief Marx sogar in sein achtköpfiges Beratergremium zur Reform der Kurie. Was gegen Marx spricht: Einigen seiner Mitbrüder ist Marx schon heute zu mächtig und selbstbewusst.

Eine gehörige Portion Selbstbewusstsein bringt auch sein Trierer Nachfolger Stephan Ackermann mit. Aus dem die katholische Kirche in ihren Grundfesten erschütternden Missbrauchsskandal ging der von den Bischöfen zum Chef-Aufklärer ernannte Ackermann eindeutig als Krisengewinnler hervor. In der Affäre um den wegen seines Finanzgebarens in Misskredit geratenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst war es Ackermann, der seinen Mitbruder in der Talksendung von Günther Jauch abmoderierte. Und zuletzt sorgte der Trierer Bischof mit seinen Äußerungen zur katholischen Sexualmoral für Aufmerksamkeit.

"Predigten in der Todeszone", titelte die Frankfurter Allgemeine, und genau das könnte Ackermann bei der Vorsitzendenwahl am Mittwochvormittag zum Verhängnis werden. "Etlichen seiner Mitbrüder ist Ackermann einfach zu forsch und zu fortschrittlich", meint ein hoher Kircheninsider, "er hat sich mit seinen Äußerungen über Moral und Missbrauch nicht nur Freunde gemacht." Hinzu käme: Mit seinen 50 Jahren zählt der Trierer zu den "Jugendlichen" unter den Bischöfen. Anders ausgedrückt: Ackermann könnte den Posten auch noch in sechs oder zwölf Jahren antreten, wenn der Zollitsch-Nachfolger sein Amt spätestens aufgeben müsste.

Bliebe aus der Trier-Riege schließlich noch der ehemalige Weihbischof Felix Genn. Dem im Kollegenkreis angesehenen Bischof von Münster werden Chancen eingeräumt, wenn die Wahl festgefahren und keine Mehrheitsentscheidung in Sicht ist. "Dann könnte plötzlich ein Außenseiter ins Spiel kommen", sagt ein Kenner. Fakt ist aber auch, dass sich der eher zurückhaltende Felix Genn keineswegs um den Vorsitzendenposten reißen wird.

Da ist der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck schon aus anderem Holz geschnitzt. Der 49-Jährige gilt als ehrgeizig und wandlungsfähig. Auch dem konservativen Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki (57) und dem liberalen Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode (63) werden Chancen auf die Zollitsch-Nachfolge eingeräumt.
Ein Name fällt bei sämtlichen Personalspekulationen nie - der des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst (54). Der wegen des millionenschweren Umbaus seiner Residenz in der Kritik stehende Gottesmann ist derzeit beurlaubt, könnte aber an der Vollversammlung in Münster teilnehmen. "Ob er kommt, wissen wir nicht", sagte Bischofskonferenzsprecher Matthias Kopp unserer Zeitung.Extra

In der Vollversammlung treffen die 66 Bischöfe und Weihbischöfe organisatorische und inhaltliche Entscheidungen für die katholische Kirche in Deutschland. Der Vorsitzende leitet die Treffen und repräsentiert die Bischofskonferenz nach außen. Seit Februar 2008 steht der scheidende Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch an der Spitze. Da er 75 Jahre alt ist, kann Zollitsch nicht für eine zweite (sechsjährige) Amtszeit gewählt werden. Die Wahl seines Nachfolgers ist am Mittwochvormittag. Tags zuvor soll allerdings in einer Art Vorkonklave über die Wahl debattiert werden. Gewählt ist, wer die Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen erreicht. Nach zwei erfolglosen Wahlgängen genügt die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Zollitsch wurde vor sechs Jahren im dritten Wahlgang gewählt. sey