Bitburger Braugruppe: Gesellschafterfamilie investiert auch in Spielsachen, Zähne und Spezialfolien

Bitburger Braugruppe: Gesellschafterfamilie investiert auch in Spielsachen, Zähne und Spezialfolien

Bier ist längst nicht das einzige Geschäftsfeld, das Geld in die Kassen der Gesellschafter der Bitburger Braugruppe spült.

Personalrochade an der Spitze der Bitburger Holding: Der gebürtige Dauner und langjährige Deutschland-Chef der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group, Dieter Heuskel, wird Mitte des Jahres Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Bitburger Dachgesellschaft. Der 66-jährige Heuskel übernimmt das Amt von Klaus Adam (75), der den Posten nach 25 Jahren abgibt. Unter dem Dach der Holding sind alle gemeinsamen wirtschaftlichen und finanziellen Aktivitäten der Bitburger Unternehmerfamilie Simon zusammengefasst. Hauptgeschäftsfeld ist das unter dem Dach der Bitburger Braugruppe zusammengefasste Biergeschäft.

Mit der Bierproduktion wurde im Jahr 1817 auch der Grundstein des Eifeler Familienunternehmens gelegt. Neben Bitburger gehören aber längst auch andere Biermarken zu der Gruppe: König, Licher, Köstritzer und Wernesgrüner. Bitburger ist mehrheitlich an der Benediktiner Weißbräu GmbH beteiligt und hat die Marken- und Vertriebsrechte für die Traditionsbiermarken Königsbacher und Nette.

Aber Bier ist längst nicht das einzige Geschäftsfeld, das Geld in die Kassen der Gesellschafter spült. Die Bitburger Dachgesellschaft hält knapp 51 Prozent am Gerolsteiner Brunnen und ist zudem an zahlreichen Getränkefachgroßhändlern beteiligt oder besitzt sie inzwischen ganz. Doch auch abseits der Getränkebranche ist die Eifeler Unternehmerfamilie zunehmend auf Einkaufstour.

Zuletzt stieg die Bitburger Holding im vergangenen Sommer mit 49 Prozent beim Remagener Spezialfolienhersteller Poli-Tape ein. Das Unternehmen produziert Folien, die hauptsächlich in der Textil-, Grafik- und Werbeindustrie eingesetzt werden. Neben Deutschland hat die Poli-Tape-Gruppe Standorte in Italien und den USA. 264 Mitarbeiter machen einen Jahresumsatz von rund 84 Millionen Euro.

Zuvor hatte Bitburger den Werkzeugspezialisten Wera übernommen. Bei dem Wuppertaler Unternehmen dreht sich alles ums Thema "Schraube rein, Schraube raus", wie ein Firmensprecher unserer Zeitung sagte. Der Werkzeugspezialist beschäftigt in seinen Standorten rund 800 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz lag nach den zuletzt veröffentlichten Zahlen bei über 100 Millionen Euro.

Der erste Bitburger Einkauf außerhalb der Getränkebranche war 2010 der Westerwälder Spielwaren- und Kinderbekleidungshersteller Sterntaler. Laut Eigenwerbung arbeiten für das nach einem Märchen der Brüder Grimm benannt Unternehmen weltweit über 1000 Mitarbeiter, 250 davon in Deutschland.

Zweiter "Fremd-Zukauf" war im Jahr darauf der Einstieg beim Medizintechnikunternehmen Dürr Dental. Nach der im Internet veröffentlichten Holding-Bilanz ist Bitburger mit knapp 35 Prozent an der Firma beteiligt. Die Dürr Dental AG mit Firmensitz im schwäbischen Bietigheim-Bissingen wurde 1941 gegründet. Nach dem zuletzt veröffentlichten Jahresabschluss machte das Unternehmen im vorletzten Jahr einen Umsatz von über 140 Millionen Euro. Dürr-Aufsichtsratsvorsitzender ist seit zwei Jahren der Bitburger Holding-Chef Matthäus Niewodniczanski (53).

Dieter Heuskel, der designierte Vorsitzende des Bitburger Gesellschafterausschusses und Bitburger-Aufsichtsrat, war bis vor zehn Jahren Deutschland-Chef der Boston Consulting Group. Der 66-jährige gebürtige Eifeler hat auch eine besondere Beziehung zur Getränkebranche. Der promovierte Volkswirt ist leidenschaftlicher Hobby-Winzer.