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Blechlawine wird länger - Staus nehmen zu

Blechlawine wird länger - Staus nehmen zu

Auf den rheinland-pfälzischen Autobahnen staut und stockt es. Das war immer schon so, aber selten so schlimm wie in diesem Jahr. Der ADAC hat's zusammengerechnet - und auch gleich einen Schuldigen ausgemacht.

Die Blechlawinen auf den Straßen sind im ablaufenden Jahr deutlich gewachsen. Die Staulänge in Deutschland habe sich 2011 auf bislang mehr als 450 000 Kilometer summiert, teilte der ADAC am Donnerstag mit. Das seien etwa 50 000 Kilometer (12 Prozent) mehr als im Vorjahr gewesen, ermittelte der Club nach Daten der Polizei, von Staumeldern und seiner Straßenwacht. „Dies entspricht einer Länge von einem Erdumfang plus der Entfernung zum Mond.“

Auch in Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Staus deutlich gestiegen: 2011 wurden 6096 gezählt, grob gerundet seien das 1000 mehr als im Jahr zuvor, hieß es. Die Länge der Staus nahm ebenfalls sehr stark zu: Waren es 2010 noch 10 884 Kilometer, so stand und stockte der Verkehr im ablaufenden Jahr laut ADAC auf insgesamt 15 003 Kilometern.

Erfasst wurden in diesem Jahr demnach bundesweit rund 189 000 Staus, etwa 4000 mehr als im Jahr zuvor. Die meisten Staus gab es im bevölkerungsreichsten Land Nordrhein-Westfalen mit 59 000, gefolgt von Berlin mit 30 000 und Bayern mit 26 000 Staus. Rheinland-Pfalz liegt im Ländervergleich an siebter Stelle.

„Rheinland-Pfalz besitzt keine klassischen Knotenpunkte, an denen es sich immer mal wieder staut, zum Beispiel Autobahnkreuze“, sagte ADAC-Sprecher Reinhard Moll. Dennoch gebe es natürlich auf den 827 Autobahnkilometern im Land Stellen, an denen der Verkehr häufiger ins Stocken gerate. Dazu gehöre der Mainzer Autobahnring ebenso wie die A3 zwischen Montabaur und Siegburg. „Das hat dort auch topographische Gründe“, sagte Moll. An den Hängen blieben oft Lastwagen liegen, steckten im Schnee fest oder stellten sich quer. Außerdem seien im ablaufenden Jahr vor allem auf der A3 und der A61 Brücken gebaut worden.

Moll kritisierte unter anderem das Baustellenmanagement. „Baustellen müssen schneller abgewickelt werden“, sagte er. Es dürfe nicht vor allem darum gehen, dass ein Bau für den Auftraggeber kostengünstig wird und die Arbeitszeiten deshalb preiswert gelegt werden, sagte er. „Staus verursachen auch einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden, für den der Steuerzahler ebenfalls aufkommen muss.“

ADAC-Präsident Meyer forderte von der Bundesregierung, bei Ausbau und Unterhalt von Straßen den Blick wieder stärker nach Westen zu richten. „Die Politik hat sich in der Vergangenheit vor allem auf den Aufbau Ost konzentriert. Jetzt müssen wir prüfen, welche Autobahnen im Westen dringend ausgebaut werden müssen“, sagte Meyer.

Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat bereits angekündigt, dass in der Investitionsplanung bis 2015 für die alten Länder künftig 83 statt 74 Prozent der Mittel vorgesehen sind. Es komme nicht auf die Himmelsrichtung, sondern den tatsächlichen Bedarf an.