Bleibt SinnLeffers in Trier? Nordrhein-westfälisches Modeunternehmen hat Insolvenz beantragt

Bleibt SinnLeffers in Trier? Nordrhein-westfälisches Modeunternehmen hat Insolvenz beantragt

Die Modekette SinnLeffers ist zahlungsunfähig. Das Unternehmen hat Insolvenzantrag gestellt. Unklar ist derzeit, wie es mit der Filiale in der Trierer Fußgängerzone weitergeht.

Man gibt sich zugeknöpft in der Trierer SinnLeffers-Filiale. Zu dem Insolvenzverfahren werde man sich nicht äußern, teilt auf TV-Anfrage kurz angebunden eine Mitarbeiterin am Telefon mit. Noch nicht mal die aktuelle Mitarbeiterzahl will sie mitteilen. Bei Fragen solle man sich doch bitte an die Firmenzentrale im nordrhein-westfälischen Hagen wenden.

Dort verweist man auf eine Pressemitteilung. In der heißt es, man habe einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Mit diesem Verfahren werde dem Unternehmen die Möglichkeit eröffnet, "sich freiwillig und aus eigener Kraft wieder wettbewerbsfähig am Markt zu positionieren". Zur Zukunft einzelner Filialen wird nichts mitgeteilt. So bleibt vorerst unklar, ob es künftig weiterhin SinnLeffers in Trier geben wird. Hans Kroha, der für Handel zuständige Landesfachbereichsleiter bei der Gewerkschaft Verdi Rheinland-Pfalz, wagt dazu keine Prognose.

Bundesweit hat das Modeunternehmen 22 Filialen, drei davon in Rheinland-Pfalz. Neben Trier gibt es noch Geschäfte in Mainz und Koblenz. Alle Mitarbeiter in den drei Häusern seien in Betriebsversammlungen über die Lage des Unternehmens informiert worden, sagt der Gewerkschafter. Nach Auskunft von Kroha macht die Filiale in Koblenz wohl im kommenden Frühjahr dicht - und das, obwohl der Mietvertrag dort im vergangenen Jahr erst um weitere 15 Jahre verlängert worden ist. In Mainz läuft laut einer Pressemitteilung von SinnLeffers vom Juli der Mietvertrag am derzeitigen Standort in der Innenstadt Ende 2018 aus. Man sei auf der Suche nach "alternativen Flächen", heißt es.

Seit 1992 ist das Modeunternehmen in Trier vertreten und zwar im ehemaligen Insel-Kaufhaus in der Fahrstraße unweit des Viehmarktes. Die Immobilie gehört dem Frankfurter Immobiliengroßkonzern DIC, dessen ehemaliger Vorstandschef und derzeitiges Mitglied im Aufsichtsrat der aus Trier stammende Ulrich Höller ist. SinnLeffers hat die 4500 Quadratmeter große Verkaufsfläche gemietet, 76 Mitarbeiter waren zuletzt bei SinnLeffers in Trier beschäftigt. Derzeitiger Geschäftsführer ist Sebastian Braun. Eine Stellungnahme von ihm ist am Dienstag, wie gesagt, nicht zu bekommen. Laut früheren Mitteilungen rangiert der SinnLeffers-Standort Trier unter den insgesamt 22 Städten, in denen das Unternehmen Läden betreibt, auf Platz vier, gemessen an der Verkaufsfläche und dem Umsatz - hinter Bonn, Aachen und Oberhausen.

Das hat wohl auch dazu beigetragen, dass die hiesige Filiale die erste SinnLeffers-Insolvenz im Jahr 2008 relativ unbeschadet überstanden hat. Alle damals noch bundesweit existierenden 47 Niederlassungen sind damals auf Rentabilität überprüft worden, mit dem Ergebnis, dass noch 24 übriggeblieben sind, von denen mittlerweile zwei geschlossen worden sind. In Trier sei keiner der damals noch 115 Mitarbeiter entlassen worden, hat es nach überstandener Insolvenz Anfang 2009 geheißen. Fünf Jahre später hat SinnLeffers allerdings sein 1995 eröffnetes Wäsche- und Kindermodehaus in der Trierer Brotstraße schließen müssen. Der Mietvertrag in dem früheren Kaufhaus Moritz & Senger ist abgelaufen gewesen. Nachmieter ist ausgerechnet einer der Billig-Ketten, die SinnLeffers und anderen Modeunternehmen derzeit das Leben so schwer machen: TK Maxx.

Die Ausgestaltung der Mietverträge sei maßgeblich für die Zukunft der SinnLeffers-Standorte, sagte Gewerkschaftsfunktionär Kroha. Überteuerte Mieten könnten also das Aus für einige Filialen bedeuten.

Laut Friedrich Wilhelm Göbel; Geschäftsführer des Unternehmens SinnLeffers, sei allerdings kein dramatischer Stellenabbau geplant. "Vielleicht können wir sogar alle Mitarbeiter weiterbeschäftigen", so Göbel. Insgesamt sind derzeit 1259 Mitarbeiter bei dem Unternehmen beschäftigt. Maximal drei Filialen sollten im Zuge der Sanierung geschlossen werden. Das Unternehmen schreibe seit mehreren Jahren rote Zahlen, sagt Göbel. Der Manager zeigt sich überzeugt, dass mit den nun eingeleiteten Maßnahmen "der Fortbestand der SinnLeffers GmbH gesichert ist".

SinnLeffers ist 1997 durch die Fusion aus den zwei kleineren Traditions-Modehäusern Sinn und Leffers entstanden. Von 2001 bis 2005 hat das Unternehmen zum Essener KarstadtQuelle-Konzern gehört, bis es von der Deutschen Industrie Holding (DIH) übernommen worden ist.

In den vergangenen Monaten sind bereits eine ganze Reihe namhafter deutscher Textilhändler in wirtschaftliche Turbulenzen geraten, darunter der Herrenmode-Filialist Pohland, der Damenmode-Anbieter Zero und die Textilkette Wöhrl. Wöhrl, die ebenfalls Insolvenz beantragt hat, ist Eigentümer von SinnLeffers. Hans Kroha von Verdi Rheinland-Pfalz geht davon aus, dass die Wöhrl-Pleite unmittelbar zu der Insolvenz des Hagener Unternehmens geführt hat. Modehäusern wie SinnLeffers macht zu schaffen, dass die Kassen zurzeit vor allem bei Textildiscountern wie Primark und bei anderen Niedrigpreis-Ketten wie H&M oder Zara klingeln. Auch die Lebensmitteldiscounter wie Lidl und Aldi haben mittlerweile fast regelmäßig Billigkleidung im Sortiment.