Blocken die Chefs Probleme ab?

Blocken die Chefs Probleme ab?

Seit 2002 ist Reiner Scherer Pächter am Flughafen Frankfurt Hahn. Nun hat er 38 Mitarbeiter entlassen und damit seinen Ausstieg auf dem Hahn eingeleitet. Für den Gastronomie-Unternehmer ist dafür neben rückläufigen Passagierzahlen auch das Management des Airports verantwortlich.

Hahn. Die Diskussion um die Tagespolitik am Flughafen Hahn reißt nicht ab. Im Gespräch mit unserer Zeitung hat Gastronomie-Unternehmer Rainer Scherer Hintergründe beschrieben, die zur Kündigung von 38 Mitarbeitern seines Betriebs am Hunsrück-Flughafen geführt haben.
"Es war die Notbremse", beschreibt Scherer den Grund für den Schnitt, der bei der Arbeitsagentur als Massenentlassung gilt. Einerseits sind laut Scherer rückläufige Passagierzahlen oder auch das Reise- und Buchungsverhalten der Reisegäste, die erst kurz vor der Abreise am Hahn erscheinen, Gründe für defizitäre Geschäfte gewesen. Andererseits übt er deutliche Kritik am Management des Flughafens. "Wir haben ein rechtliches Problem mit dem Flughafen", sagt Scherer.
Ende des vergangenen Jahres siedelte sich das Schnellrestaurant McDonalds am Flughafen an. Aus Scherers Sicht war dies ein Rechtsbruch, denn er beruft sich auf eine Klausel im Pächtervertrag, die seinem Unternehmen ein Alleinstellungsmerkmal beziehungsweise ein Ausschließlichkeitsrecht zusichert. Demnach hätte die Ansiedlung - zumindest ohne Rücksprache mit dem Unternehmer - nicht erfolgen dürfen.
Scherer ist als regionaler Unternehmer bereits seit dem Jahr 2002 Pächter am Hahn. Sein Betrieb ist einer von wenigen aus der Region, die seit Jahren den Flughafen mitbeleben und dort eine Reihe von Arbeitsplätzen geschaffen haben. Als Scherer wegen des vermeintlichen Rechtsbruchs aber um Gespräche mit der Flughafen-Geschäftsführung bat, zeigte sich nur der inzwischen abgesetzte Chef Jörg Schumacher verhandlungsbereit. Laut Scherer blockt dessen Kollege Wolfgang Pollety bis heute jedes Gespräch ab.
Schumachers Nachfolger Heinz Rethage lud nach mehrwöchiger Wartefrist zu einem Gespräch, das offen geführt wurde. "Mir ging es um eine einvernehmliche Lösung", sagt Scherer, der seinen durch die Ansiedlung von McDonalds erlittenen Schaden ausgeglichen wissen möchte. Aber nach dem Gespräch schaltete das Flughafen-Management offensichtlich eine Anwaltskanzlei ein. Seitdem liegt die Angelegenheit nach Angaben Scherers bei den Juristen und damit auf Eis. Die Basis für ein Miteinander wurde laut Scherer mit diesem Verhalten zerstört, er hat mit den Kündigungen seinen kompletten Ausstieg auf dem Hahn eingeleitet. Vor der Ansiedlung von McDonalds habe er noch 150 000 Euro investiert, der Verlust sei in die "Hunderttausende" gegangen. "So geht der Flughafen mit allen Problemen um", sagt Scherer.
Ein weiteres Detail ärgert den Unternehmer dabei ganz offensichtlich nur am Rande. Während der Flughafen in seinem Fall die am Hahn offensichtlich übliche Pacht von 14 Prozent kassierte, soll der Satz beim Branchenriesen McDonalds lediglich bei sechs Prozent liegen.Extra

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat die Grünen-Forderung nach einem Nachtflugverbot auch für den Flughafen Hahn zurückgewiesen. "Der Flughafen Hahn hat eine (24-Stunden-)Betriebsgenehmigung", sagte Dreyer am Mittwoch. "Daran ändert sich auch nichts." Es sei klar, "dass daran überhaupt nicht zu rütteln ist". Die Äußerung der Grünen sei auf den Wahlkampf zurückzuführen. Die Grünen-Landesvorsitzende Katharina Binz und Grünen-Spitzenkandidatin Tabea Rößner hatten die Forderung nach dem bundesweiten Nachtflugverbot - auch für den Hunsrück-Flughafen - bekräftigt. Dreyer sieht dennoch kein Problem für das rot-grüne Bündnis: "Da gibt es gar keine Differenzen innerhalb der Koalition." Die Regierungschefin forderte ihre Koalition auf, Konflikte intern zu lösen und nicht in der Öffentlichkeit. Vorangegangen war Kritik von Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) an der Investorensuche am Flughafen Hahn. Zuständig ist Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD). Lemke hatte gesagt: "Bislang ist das nicht so gelaufen wie gewünscht." Dreyer betonte, "dass es eigentlich auch in Zukunft der Weg sein sollte, dass man solche Dinge intern klärt". Sie sagte aber auch: "Wir haben keinen Koalitionskrach." Für sie sei die Sache nach einem Gespräch zwischen beiden Ministern geklärt. Die CDU warf Dreyer vor, sie habe den Konflikt zu lange treiben lassen. "Kein Familienoberhaupt würde einen Streit unter Geschwistern über eine Woche lang quellen lassen, sondern direkt Verantwortung übernehmen und für Klarheit sorgen", teilte CDU-Generalsekretär Patrick Schnieder mit. dpa

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