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Boden begehrt und immer teurer - Wenn Äcker in der Region zum Investitionsobjekt werden

Boden begehrt und immer teurer - Wenn Äcker in der Region zum Investitionsobjekt werden

Nicht nur Häuser und Grundstücke, auch Äcker in der Region werden mittlerweile zum Investitionsobjekt. Für Landwirte wirft das große Probleme auf.

Welchen Sinn hat es derzeit schon, viel Geld auf dem Konto herumliegen zu lassen? So niedrig, wie die Zinsen sind, werden immer mehr Menschen zu Investoren. Das berühmte "Betongold" ist gefragt, und mit der Nachfrage steigen auch die Preise: Im Landesschnitt muss man einem aktuellen Bericht zufolge für Bauland heute vier Prozent mehr hinlegen als noch vor zwei Jahren. In Dörfern an der luxemburgischen Grenze können es aber auch zehn Prozent mehr sein.

Doch nicht nur Immobilien, auch landwirtschaftliche Flächen werden für manchen Investor zur attraktiven Geldanlage. "Landgrabbing" (Landraub) spielt in der kleinteiligen Agrarlandschaft von Rheinland-Pfalz zwar längst keine so große Rolle wie in Ostdeutschland. Doch beobachten besorgte Bauernvertreter auch hier, wie Äcker zum Investitionsobjekt werden und die verfügbaren Flächen immer knapper - und teurer. Ein Trend, der in der Region Trier dadurch verstärkt wird, dass auch Luxemburger hier Land pachten und kaufen. Hinzu kommt der große Flächenbedarf der 83 Biogasanlagen, die in der Region stehen - insbesondere im Eifelkreis Bitburg-Prüm, wo sich laut Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum mehr als ein Drittel aller rheinland-pfälzischen Anlagen konzentriert (54 von 157).

Ein weiterer verknappender Faktor ist der Flächenverbrauch. Rund 97 Fußballfelder Land werden in Deutschland täglich (!) bebaut.
So sagt Manfred Zelder, Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbands Bernkastel-Wittlich: "Wir beobachten, dass Flächen knapp werden, weil sich die Stadt Wittlich ausbreitet." Viel Land sei Landwirten auch durch den Bau der neuen B.50 verloren gegangen: 300 Fußballfelder für die Straße selbst und weitere 840 Fußballfelder für ökologische Ausgleichsmaßnahmen.

"Das Prinzip von Angebot und Nachfrage funktioniert, ob es einem passt oder nicht", sagt Walter Clüsserath, Chef des Bauern- und Winzerverbands Trier-Saarburg. Als Grundstücksverkaufsbeauftragter sieht er jährlich mehrere Hundert Kaufverträge. "Die Preise gehen hoch", sagt er. Vor zehn Jahren habe der Hektar noch 5000 Euro gekostet. Heute seien Preise zwischen 10.000 und 20.000 Euro/Hektar normal.

All das treibt auch die Pachtpreise in die Höhe. Sie haben nach Auskunft des Statistischen Landesamts einen neuen Höchststand erreicht: 2016 zahlten Landwirte für Acker- und Grünland durchschnittlich 233 Euro/Hektar - so viel wie noch nie. Wer neu pachtet, muss im Schnitt sogar 314 Euro je Hektar zahlen. Und die meisten Bauern sind aufs Pachten angewiesen: Mehr als zwei Drittel (63 Prozent) aller Agrarflächen in Rheinland-Pfalz gehören nämlich nicht denjenigen, die sie bewirtschaften. Tendenz steigend.

"Der Druck auf die Bauern ist enorm", sagt Clüsserath. Denn mehr Geld für Weizen, Milch oder Fleisch bekommen sie nicht. "Wir sind wirtschaftlich in einer desolaten Situation", sagt Zelder. 2016 haben 500 rheinland-pfälzische Betriebe aufgegeben. Seit 1999 hat sich die Zahl der Höfe halbiert. Nur noch 17.600 sind es heute. Die, die übrig bleiben, müssen meist wachsen, um zu überleben. Und dafür brauchen sie Land.