Bodenrichtwerte in der Region Trier

Baulandpreise : Lage, Lage, Lage – und natürlich Luxemburg

Hier zahlt man nur ein paar Euro, dort ein paar Tausend. Die Preise für Bauland gehen in den Wohngebieten der Region Trier extrem weit auseinander. Doch im Schnitt steigen sie überall. Luxemburg und Trier sind die großen Treiber dieser Entwicklung.

Wer ein Stück Land oder ein Haus besitzt, der sollte ab und an mal bei Boris vorbeischauen. Eine Stippvisite, die in der Region vielen Freude bereiten dürfte. Denn Boris ist das „Bodenrichtwertinformationssystem Rheinland-Pfalz“, eine digitale Karte, die im Internet unter www.boris.rlp.de kostenlos jedem zur Verfügung steht, der sich über die Bodenrichtwerte in seiner Heimat informieren möchte. Und die sind in den vergangenen Jahren in vielen Teilen der Region deutlich gestiegen. Zur Freude der Eigentümer und zum Leidwesen junger Familien, die sich nach günstigem Baugrund oder bezahlbarem Wohnraum sehnen.

Solche Bodenrichtwerte zeigen, wie viel Euro pro Quadratmeter für Grundstücke einer bestimmte Lage im Schnitt gezahlt werden. Da Notare verpflichtet sind, den regional zuständigen Gutachterausschüssen Kopien aller Kaufverträge zukommen zu lassen, und da die Ausschüsse die Verträge dann auswerten, sind die Daten ziemlich solide. Bindend sind sie natürlich nicht – den Preis handeln schließlich Verkäufer und Käufer unter sich aus, dennoch sind die Richtwerte grundlegend, wenn es darum geht, den Wert einer Parzelle oder einer Immobilie zu schätzen.

Die Karte offenbart allerdings auch, wie riesig die regionalen Unterschiede sind. In Sengerich (VG Arzfeld) zahlt man für den Quadratmeter Wohnbauland im Schnitt gerade mal zwölf Euro, in  Malberg (VG Bitburger Land) zwischen 18 und 23 Euro, in Beuren (Hochwald) 30 bis 40, in Minheim (Mosel) 40 bis 65, in Daun 42 bis 190 Euro, in Schoden (Saar) zwischen 65 und 100 und in Wittlich müsste man schon in einen Vorort ziehen, um unter 100 Euro zu zahlen. Am Marktplatz Wittlich werden dann schon 480 Euro fällig, Downtown Bitburg 500 und Triers Fußgängerzone schießt mit bis zu 9400 Euro/Quadratmeter den Vogel ab. Auch innerhalb Triers gibt es große Unterschiede: In Ehrang zahlen Käufer im Schnitt nur 140 Euro, in Pfalzel 175, in Zewen 240, in Euren 290 und am Petrisberg 305. Was zählt, ist immer das gleiche: Lage, Lage, Lage.

Ohnehin hebt der Landesgrundstücksmarktbericht 2019 die Sonderrolle Triers hervor, das gegen den Trend weiter wachsen wird und das im Gegensatz zu anderen Oberzentren einen Speckgürtel mit ungewöhnlich hohem Preisniveau hat. Der Grund dafür heißt: Luxemburg.

„Das Bodenpreisniveau in Luxemburg liegt in etwa beim Zwei- bis Dreifachen“ des im Grenzbereich üblichen, heißt es in dem Bericht. Luxemburger seien in der Regel bereit, Preise zu zahlen, die deutlich über dem rheinland-pfälzischen Niveau liegen. Sie ziehen bevorzugt in die Verbandsgemeinden Schweich, Trier-Land und die Gemeinden der Obermosel. Dies habe auch die starke Nachfrage nach Bauplätzen Im Ermesgraben in Schweich gezeigt (rund 300 Bauplätze), in Kenn Auf der Kenner Lay II (rund 115 Bauplätze), in Mehring, Föhren oder Nittel (je rund 110 Bauplätze) oder in Wincheringen (jährlich rund 30 Bauplätze). Ähnliche Entwicklungen – allerdings auf niedrigerem Niveau – seien auch in der VG Südeifel zu verzeichnen – vor allem in einem zehn bis 15 Kilometer breiten Streifen entlang von Sauer und Our. „Die Bodenwerte erreichen hier zwar nur maximal 190 Euro/Quadratmeter, sie liegen aber damit deutlich über dem Preisniveau, welches ansonsten im Eifelkreis Bitburg-Prüm vorherrscht (rund 60 Euro für Wohnbauland in guter Lage)“, heißt es in dem aktuellen Landesgrundstücksmarktbericht. Und die Werte sind stark gestiegen: Zwischen 2003 und 2018 hat sich der Preis für gutes Wohnland in der VG Südeifel mehr als verdoppelt.

Schon jetzt steht für die vier Landkreise fest, dass die Bodenwerte auch 2020 noch mal deutlich anziehen. Im Schnitt um vier Prozent in der Vulkaneifel und dem Kreis Bernkastel-Wittlich, um 7 bis 7,5 Prozent in Trier-Saarburg und um 6,2 Prozent im Eifelkreis Bitburg-Prüm. „In Bitburg tut sich erstaunlich viel“, heißt es von der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses Westeifel-Mosel, wo zuletzt nicht schlecht darüber gestaunt wurde, zu welchen Preisen Grundstücke und Wohnungen weggingen. Insbesondere da, wo in der Innenstadt die Bit-Galerie entstehen soll, habe man den Eindruck, „dass die bebauten Grundstücke gut verkauft wurden“. Auch über die Entwicklung in Schweich schüttelt mancher Gutachter den Kopf. Bis zu 500 Euro würden dort inzwischen gezahlt.

Sollte man, jetzt wo die Zinsen noch so günstig sind, also möglichst schnell zuschlagen und ein Haus kaufen oder bauen? „Man muss schon gut aufpassen, wo man sich für eine Immobilie entscheidet“, rät ein Sprecher des Gutachterausschusses Trier. Das exakt gleiche Einfamilienhaus habe in der tiefen Eifel, in Trier und in München einen völlig unterschiedlichen Wert. Und auf dem Land, in schrumpfenden Dörfern, in denen schon viele Häuser leer stehen, könne es sein, dass es an Wert verliert. Je schwächer der Raum, desto weniger sei die Immobilie wert. „Auch jetzt in eine hochpreisige Lage zu investieren, ist nicht risikofrei“, sagt der Gutachter. In Trier habe es in den 90er Jahren eine teure Boomphase gegeben. Wer damals kaufte, musste bis 2019 warten, ehe seine Wohnung wieder das wert war, was damals gezahlt wurde. Andererseits: Wer vor zehn Jahren kaufte, bekomme heute das Doppelte. Ein regelmäßiger Besuch bei Boris könnte helfen herauszufinden, welche Lagen lohnenswert  sind – oder wie sich der Wert des eigenen Grundstücks entwickelt.

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